Images by Simon Oberthaler and Juan Diego Salinas from Pixabay, meine Graphik
Menschen sind ‚Herdentiere‘. Diese Idee ist nicht neu… Sie verkürzt, was das Konzept dahinter ausdrückt: Wie Tiere, die in Herden leben, so haben auch Menschen von Natur aus, einem Instinkt ähnlich, das Bedürfnis, in Gruppen zu leben. Gruppen von solchen Menschen, die sie als sich selbst ähnlich empfinden.
Denn das Andere kann verunsichernd sein. Urängste auslösen.
Wenn Menschen Angst bekommen, so die Forschung, würden andere Hirnareale aktiv, als im Alltag, ohne Sorge oder Angst:
Der ältere Teil des Gehirns, das Stammhirn, wird aktiviert und treibt uns zur Flucht. Oder gar zum Angriff.
Der neuere Teil unseres Gehirns, so die Definition, ist der Neocortex. Er ermöglicht, dass wir komplexe Dinge denken und – Empathie empfinden: Mitgefühl.
Sicherheitsgefühl: Das ist in Herden ausgeprägter, als allein. Auch das ist wohl zentral: Wir wünschen uns Sicherheit und Akzeptanz.
Das geht dann am Einfachsten, wenn alle scheinbar oder tatsächlich ‚gleich‘ sind, sich wohlig in einer Gruppe von Gleichen aufgehend fühlen.
Dass manche Menschen Teil einer Gruppe sein können, obwohl sie eine andere Herkunft haben, eine andere Hautfarbe – oder schlicht eine neue Herangehensweise, ist in manchen Umgebungen ein neues Konzept.
Vielfalt statt Einerlei macht das Leben bunter, fröhlicher – und kann neue Ideen hervorbringen.
Die Waage zu halten zwischen Vorsicht und echter Gemeinschaft in Vielfalt macht Freude – und innovativ.
Paul Watzlawick erzählt sie, die Geschichte vom Mann, der einen Hammer leihen wollte. In seiner „Anleitung zum Unglüklichsein.“ Paul Watzlawick ist Kommunikationswissenschaftler, hat Standardwerke dazu geschrieben, aber der erwähnte Titel ist allgemeinverständlich, die Geschichte kurz nacherzählt:
Ein Mann wollte von seinem Nachbarn einen Hammer leihen. Er denkt sich, hinüber zu gehen. Dann fällt ihm ein, dass der kürzlich einmal so merkwürdig geschaut habe. Und: War da nicht neulich ein Treffen gewesen, auf dem Gehweg, da er ihn nicht zurück gegrüßt hatte? Und überhaupt, waren da nicht auch ein paar Situationen gewesen, an denen er so leicht gelächelt hatte ? Hatte er nicht kürzlich auch die Stirn so komisch gerunzelt? Und wie er das Auto neuerdings parkte… Ging er ihm nicht wirklich aus dem Weg…?!
Der Mann wird immer wütender, denn wie kann ihn der Nachbar so behandeln? Schließlich stürmt er zum Nachbarhaus, klingelt und als der Nachbar öffnet, brüllt er ihn an: „Sie können Ihren blöden Hammer behalten!“
Diese und andere Geschichten in Paul Watzlawicks Buch machen teils auf sehr amüsante und regelrecht lustige Weise deutlich, wie leicht wir Menschen uns das Leben schwer machen, weil wir andere aufgrund von ‚Vor-urteilen‘ einschätzen, die uns kaum noch bewusst sind. Auf diese Weise uns selbst und anderen das Leben unnötig schwer machen.
Woher kommt das wohl?
Es sind die kleinen und großen Gewohnheiten und Sichtweisen, die wir im Laufe unseres Lebens lernen. Sie hängen mit unserer Familie zusammen, aber auch mit der Kultur, in der wir aufwachsen.
Diese Ideen werden zu einer Perspektive auf die Welt, auf das Leben, die wie ein Filter wirken. Das kann es schwer machen, andere Menschen in ihrer Gesamtheit zu erkennen und einzuschätzen.
Viel Kummer und viele Missverständnisse beruhen darauf: Dass wir unsere ‚Filter‘ einsetzen, ohne uns dessen wirklich so recht bewusst zu sein.
Paul Watzlawick war nicht nur Österreicher, er war auch weltweit anerkannter Wissenschaftler.
Sein Buch ist zur sehr vergnüglichen Lektüre empfohlen.
Denn: Lachen ist nicht nur gesund.
Es lässt sich lernen, miteinander in echte Kommunikation zu treten – und (wieder) zu Verständigung zu kommen.
Hartnäckig hält sich das Bild vom lauten, autoritären Ton, um nicht zu sagen, ‚Führungsstil‘. Wer führt, ist laut und zeigt dadurch Durchsetzungsvermögen.
‚Kasernenhofton’…?
In der Tat, wenn man sich anguckt, woher diese Mär stammt, dann wird schnell deutlich: Sie entstand in der Geschichte durch die militärischen Gepflogenheiten:
Wer nicht spurt, wird rund gemacht, zunächst angebrüllt, am besten vor „versammelter Mannschaft“.
Wenn das nichts fruchtet, wird er schikaniert, bis ihm die Tränen kommen.
Wenn dann noch kein Rückgrat endgültig gebrochen wurde, wird ‚gefeuert‘.
Was man dadurch erreicht, ist an und für sich der Wunsch des „Kanonenfutterproduzenten“ Militär:
Angepasste, einförmige, fast willenlose Gummigeschöpfe, die sich auch in den Tod brüllen lassen – und wenn es nur ist, um dem Militärleben endlich zu entkommen, aber die Familie trotzdem versorgt zu wissen. Durch die Witwen- und Waisenrenten.
Und auf solch einer Führungs(un)kultur sollen dann selbständiges Denken oder gar Innovation florieren?
„Viel Führung gab’s und wenig Qualität‘, möchte ich dazu sagen.
Es geht nämlich auch anders. Durch Überzeugungskraft, weil man von seinen Ideen und Zielen selbst ausreichend überzeugt ist; dennoch offen für neue Sichtweisen. Diskussion zulassen kann, ohne das sofort als Autoritätsverlust zu betrachten.
Führung, die auf Menschen und Miteinander setzt, auf Echtheit und zugleich Vorsicht im Umgang miteinander, kann Dinge erreichen, die unmöglich scheinen: Versöhnen.
Die Weltgeschichte ist voll von guten Beispielen. Zwei fallen mir dazu ein:
Lawrence von Arabien, der durch Wertschätzung und Kenntnis der Geschichte vollbrachte, was Generationen vor ihm verwehrt war: Die arabischen, zerstrittenen Stämme zu einen. (Seine Ziele waren leider höchst zweifelhaft: Er nutzte die Stämme dazu, Großbritannien Kriegsvorteile während des ersten Weltkriegs zu verschaffen.) Aber die Leistung als solche ist trotzdem bahnbrechend.
Angela Merkel, die als Bundeskanzlerin a.D. über 16 Jahre einen Führungsstil vorgelebt hat, der mehr war und ist, als das „Zusammenscheißen“ des Gegners.
Denn manchmal ist es wichtiger, den anderen als gleichberechtigten Gesprächspartner anzuerkennen; zu verhandeln – und ihn so ins Boot zu holen – oder dort zu halten.
Statt Autorität durch Auftrumpfen und scheinbare Macht zu demonstrieren…
„Ist sie ansprechbar? Kann sie sich verständlich machen?“ – „Hast Du genug zu Essen und zu Trinken und ist es warm genug? Wie ist Dein Schlafplatz?“
Das sind die Fragen, die grundlegenden Fragen, die eine erfahrene Frau stellt: Nach einem Schlaganfall einer Angehörigen – das eigene Kind.
Das sind die absoluten Grundbedürfnisse, die wir bei kleinen Kindern oder eben plötzlich auch bei menschlichem, temporär eingeschränktem Gesundheitszustand abfragen:
Verstehen und verstanden werden; Unterkunft, Nahrung und Kleidung.
Wie erkennt man Menschen?
Es gibt Typenlehren über Menschen. Es gibt aber auch die Einteilung in Wesensmerkmale, die man versucht, bei Menschen in Kategorien zu ordnen.
Warum Typentheorien?
Um Menschen zu ‚erkennen‘, zu verstehen, vielleicht auch besser einsetzen zu können, im Berufsleben. Oder private Beziehungen sinnvoller gestalten zu können.
Die ‚Basics‘ sind keine Typen
Ich denke, dass es darauf ankommt, sich über die Grundbedürfnisse der Menschen klar zu werden!
Die Grundbedürfnisse sind etwa Essen, Trinken, Kleidung und Unterkunft. Danach die Bedürfnisse nach menschlicher Gemeinschaft, im weiteren Sinne, Familie und Freundschaft. Im engeren Sinne körperliche und geistig-seelische Liebe, sich ‚Verbunden-Fühlen‘.
Der Irrtum über die Coolness – „Menschen, nicht Gurken“
Wer einmal verstanden hat, dass Coolness eigentlich nicht zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt – sondern eine Verhaltensweise ist, die durch Kriege (vor allem) aufgedrängt wird, versteht seine Mitmenschen besser.
Die Maslowsche Bedürfnispyramide fasst es sehr gut zusammen und macht es einfach bildlich erkennbar: diese Ebenen der Bedürfnisse, an deren Spitze das Bedürfnis nach Selbstentfaltung der eigenen Fähigkeiten und deren Anerkennung steht.
Man muss nicht Maslows Modell nutzen. Wie immer in den Wissenschaften, gibt es dazu pro und contra. Aber mit den Jahren, wenn man eine Menge Menschen kennen gelernt und erlebt hat; wenn man außerdem selbst schwere Zeiten durchgemacht hat, merkt man, dass es immer zuerst ‚Basics‘ sind, auf die es ankommt.
Sich Verbunden-Fühlen – Liebe in ihren Spielarten
Ob Maslow oder andere Wissenschaftler oder Kulturen, in denen dieses Bewusstsein noch lebendig ist, sie alle wissen:
Sich-Verbunden-Fühlen ist ein ganz wesentliches, menschliches Bedürfnis. Weit in die Jugend hinein kann es als elementar empfunden werden, abgelehnt zu werden.
Das mag auch damit zusammenhängen, dass aus der „Herde“ ausgestoßen zu werden in früheren Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte einem Todesurteil gleich kam. Überleben war nur in der Herde möglich.
Aber woher auch immer stammend: Sich-Verbunden-fühlen ist elementar. Sich abgelehnt und dadurch verletzt zu fühlen, auch.
Daher kommt dieser Drang nach Anpassung bei vielen Menschen: Bloß nicht auffallen, erst recht nicht negativ, bloß dazugehören.
„Mainstream“
Das hat gute und schlechte Konsequenzen: Anpassung und allgemeine Regeln des Zusammenlebens sind notwendig, um das Zusammenleben zu ermöglichen.
Die Kehrseite:
Wer das „Anders-sein“ nicht mehr annehmen kann, der wird selbst in ein Korsett der Gedanken und Gefühle gezwängt.
Das hat Sigmund Freud geholfen, aufzuklären.
Wer das Anderssein nicht mehr annehmen kann, wird fundamental, um nicht zu sagen, faschistisch in der Anschauung, es gebe nur eine, richtige, spezifische Art von Verhalten und Aktionen. Alles andere muss ausgegrenzt oder gar vernichtet werden.
Plädoyer
Wissen und ein Bewusstsein schaffen, dass der Mensch mehr ist, als die Summe seiner Teile – oder zählbarer, von der Ratio gesteuerter Standardaktionen – kann helfen.
Offenheit, Toleranz und Verstehen und manchmal Verständnis zu fördern.
NATO Members World Map, 2024 – Image: Screenshot from NATO website, taken at 17-10-2024_12-23-31 (UTC+1)
Kriege sind keine Lösung. Weder für Konflikte noch für vermeintliche Bedrohungen. Sie finden auch in der gegenwärtigen Periode immer aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Interessen und Machtkalkül statt. Wer Konflikte lösen will, der schaut hinter den Krieg, verhandelt, findet Lösungen, um Gleichgewichte herzustellen.
Ich bin aufgewachsen im Geiste des Humanismus und der Aufklärung in Deutschland. Zeit meines Lebens war mir Friedensforschung / Konfliktforschung wichtig.
Warum entstehen Konflikte? Wie kann man sie ohne Streit lösen? Ohne Krieg?
Ich war mit einem politischen Flüchtling verheiratet. Ich habe Zeit meines Lebens unter Ungerechtigkeit gelitten, unter ‚Vorverurteilung‘; genauso habe ich sie indirekt miterlebt und beobachtet.
Morde an denen, die ‚anders‘ sind. Grausam und schrecklich.
Darum plädiere ich immer dafür, genau hinzuschauen!
Sich nicht verwirren zu lassen von kurzfristigen Sichtweisen. Von Propaganda und Feindbildern, die darauf hinaus laufen, zu behaupten:
„Wir sind immer gut. Böse sind immer die anderen.“
Die Karte der NATO-Mitgliedstaaten ist oben eingefügt, um deutlich zu machen, dass ein echtesGleichgewicht dringend erforderlich sein kann – in den Augen derer, die nicht dazugehören.
Seit Öl eine Rolle spielt in der modernen Welt, als Profit- und Energielieferant, ist Iran erneut im Fokus der Weltmächte gewesen. Zuerst unter dem letzten Schah, dann seit der islamischen Revolution 1979.
Der Schah war von den Westmächten, insbesondere den USA, abhängig. Er hätte seine Macht sonst nicht erhalten können. Er wurde materiell und immateriell unterstützt. Dafür hat er Öl zu Dumpingpreisen abgegeben. Also war er ‚gut‘. Ein Vasall.
Seit der ‚islamischen Revolution‘ – die innenpolitisch grausame Folgen hatte und hat – ist Iran vom Westen im Wesentlichen unabhängig. Also, ‚Feind, böse‘.
Iran ist immer wieder fast zum Kriegsschauplatz geworden, auch deshalb, weil die USA und Israel es als Feind betrachten. Zugleich gibt es lokale Gruppen, die terroristisch tätig sind und eine Art Vertreterkrieg führen.
Deren Taten, bspw. die der Hamas, sind nicht entschuldbar!
Doch auch in Israel müssen sich manche Politiker Fragen stellen lassen. Dabei geht es um die Politik, nicht eine ganze Nation, Religionsgemeinschaft – oder ‚Rasse‘! (Dümmliche Unterscheidung, die genutzt wird, um wenig gebildete Menschen irre zu führen.)
Das ganze Ausmaß der iranischen Notsituation kann hier nicht erschöpfend behandelt werden.
Im Deutschen gibt es ein hervorragendes Werk, das von einem anerkannten Wissenschaftler populärwissenschaftlich und zugleich verlässlich und seriös aufbereitet wurde, u.a. auch durch Die Zeit empfohlen: „Iran verstehen“, Verlag Klett-Cotta, Gerhard Schweizer, 3., aktualisierte und erweiterte Druckauflage, 2024