„To Kill a Mockingbird“ – „Wer die Nachtigall stört“

Image of mockingbird on branch

Atticus said to Jem one day, “I’d rather you shot at tin cans in the back yard, but I know you’ll go after birds. Shoot all the bluejays you want, if you can hit ’em, but remember it’s a sin to kill a mockingbird.”
That was the only time I ever heard Atticus say it was a sin to do something, and I asked Miss Maudie about it.
“Your father’s right,” she said. “Mockingbirds don’t do one thing but make music for us to enjoy. They don’t eat up people’s gardens, don’t nest in corncribs, they don’t do one thing but sing their hearts out for us. That’s why it’s a sin to kill a mockingbird.”

(Harper Lee, „To Kill a Mockingbird“/“Wer die Nachtigall stört“, ©1960, 1988: Harper Lee)

„Eines Tages sagte Atticus zu Jem: „Es wäre mir lieber, wenn Du auf Blechdosen schießen würdest, aber ich weiß, Du wirst Dich an Vögel heran machen. Schieße auf so viele Blauhäher, wie Du willst, wenn Du sie triffst, aber es ist eine Sünde, eine Nachtigall zu töten.“ Das war das einzige Mal, dass ich Atticus sagen hörte, dass etwas eine Sünde sei, darum sprach ich mit Miss Maudie darüber.
„Dein Vater hat recht“, sagte sie. „Nachtigallen tun nur das eine, sie machen Musik für uns, zur Freude. Sie fressen sich nicht durch die Gärten der Leute, nisten nicht in den Maisspeichern, sie tun nichts außer sich das Herz für uns aus dem Leibe zu singen. Darum ist es eine Sünde, eine Nachtigall zu töten.“

(Meine Übersetzung, nach deutscher Ursprungsübersetzung, „Nachtigall“.)

„Das Andere anders sein lassen“ – Einfalt? oder Vielfalt…

Bild aus Asterix-Heft, Band 21; ©DELTA Verlag, Stuttgart (dt. Fassung)
Asterix: „Das Geschenk Cäsars“ – Reaktion auf Neuankömmlinge – ©DELTA Verlag Stuttgart

„Wat de Buer nich‘ kennt, dat fret er nich‘.“ Ein Spruch aus meinen norddeutschen Wurzeln, in Plattdeutsch: „Was der Bauer nicht kennt, das (fr)isst er nicht.“ Er fasst ganz schön zusammen, woher Ablehnung des Anderen meist kommt: Aus dem ‚Fremdeln‘. Kinder kennen es schon als Reaktion, kluge Eltern versuchen, das klug zu erziehen: Ein fremder Mensch ist nicht problematisch – nur anders.

Menschheitsgeschichtlich ist es nicht überraschend, dass „das Andere“ zunächst abgelehnt wird: Das Andere ist  eine Abweichung vom Altbekannten, und deshalb potentiell gefährlich. Nicht nur Menschen, auch manche Tierarten kennen das als Reaktion. Andersartige Ausprägungen werden teils sogar ausgestoßen oder gar getötet.

Aber es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Menschen und Tieren: Menschen können denken.

Sie können ihren Verstand und die Sprache gebrauchen, um zu kommunizieren, zu verstehen – und neue Ideen zu entwickeln oder Wege zu gehen.

Die Einfalt ist ein schönes Wort, denn es bedeutet hier zweierlei: Das „Einfältige“, ein Verstand, der durch wenig komplexe Ideen gebildet wurde und daher nicht gut geschult ist, Neues zu begreifen.
Außerdem:  „Einseitigkeit“, anstelle von Variationen oder verschiedenen Ausprägungen das ewig gleiche, bekannte.

Es ist in den Sozialwissenschaften ein bekanntes Phänomen:

Kulturen, die sich abschotten, gehen unter.

Es gibt dazu eine Reihe von Beispielen in der Geschichte, überall auf der Welt.

Interessant ist auch das Phänomen, dass bei Wahlen rechtspopulistische Parteien mit verhetzenden, fremdenfeindlichen Parolen immer in solchen Gegenden hohe Wahlergebnisse erzielen, in denen überhaupt keine Ausländer leben oder bisher gelebt haben.

‚Kennen‘ lernen – ist der Schlüssel zu Weltoffenheit und Toleranz.

Neue Ideen, Innovationen, werden aus dem Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Eindrücke geformt.

Wer sich öffnet und Andersartiges zulässt, behutsam aufeinander zugeht, erfährt den ganzen Reichtum der Vielfalt.

Bild vom versöhnenden Festmahl mit allen, Asterix-Heft Band 21, ©DELTA Verlag Stuttgart
Asterix: „Das Geschenk Cäsars“ – Versöhnendes Festmahl, ©DELTA Verlag Stuttgart

 

Die moderne Technik, der PC und die Wut …

Seit einiger Zeit beobachte ich bei manchen Zeitgenossen und auch bei mir einen Effekt, den man vielleicht mit dem ‚Autofahrersyndrom‘ umschreiben könnte.
Es ist schon länger bekannt, dass Autofahrer dazu neigen, ungeduldig zu werden, andere Mitmenschen grundlos anzublaffen oder sich im Extremfall sogar zu prügeln.
Legion sind die Geschichten über Flüche, die im Auto ausgestoßen werden.

Nun kommt ein neues Phänomen daher: Die Aggression vor dem PC. Menschen sitzen vor den Bildschirmen, seufzen, stöhnen, fluchen – und es packt sie gelegentlich der Drang, das Gerät mit all seinen Einzelteilen aus dem Fenster zu werfen. Möglichst laut und mit vielen Scherben.

Ich vermute, diese beiden Phänomene speisen sich aus denselben Quellen:
Zum einen aus der Idee, es mit einer völlig steuerbaren und willfährigen Maschine zu tun zu haben, die alles auf Knopfdruck tut – und das schnell und ohne zu murren.
Zum anderen ist die Zeit als solche zu einem immer knapperen Gut geworden. Immer mehr muss in immer weniger Zeit geschafft werden. Gerade die Idee von Schnelligkeit des Maschinenzeitalters lässt uns vergessen, dass manche Dinge Zeit kosten – und dass das auch gut ist.
Denn Menschen brauchen Zeit: Sich an neue Umstände zu gewöhnen – ihre Gedanken zu entwickeln – oder einfach nur zu ’sein‘.

Es hilft, sich klar zu machen, dass Zeit genug vorhanden ist, indem man sich fragt: Was muss wirklich wirklich jetzt gleich oder heute noch passieren?
Vielleicht stellt sich dann heraus, dass die Liste der Aufgaben reduziert werden kann auf das Wesentliche – und die Zeit dehnt sich plötzlich, Ruhe kann einkehren.

Und dann kann man vielleicht sogar seinen PC kurz anlächeln…