Herbsttag

Dekoration - Image by NVD from PixabayHerr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
aus Die schönsten Gedichte, Diogenes

EU, Finanzen und die Frage nach dem Niveau… oder: „Deutschland, ein Wintermärchen“

Oyster with a pink pearl inside
Image by Dee from Pixabay

Wir können natürlich immer verlangen: Alles soll immer billiger und zugleich immer besser werden. Aber, ist das realistisch? Ich denke, eigentlich ist manches simpler, als wir annehmen: Qualität und auch Quantität haben ihren Preis. Wenn ich Austern und Champagner schlürfen will – genügen ein ‚Appel und Ei‘ dafür nicht.

Aber, sind es wirklich Austern und Champagner, die wir wollen? Oder ist es eher so, dass es auch kostet, über viele Jahrzehnte gute Qualität zu erhalten?

Ob Bahnstrecken, gute Straßen, die dem Warenverkehr und dem Privatverkehr im wesentlichen freie Fahrt ermöglichen, oder gute Schulen, sie kosten Geld. Wer Kindern Bildung und unseren Städten und Dörfern – und Ländern – eine Infrastruktur gönnen will, muss manchmal tiefer in die Tasche greifen.

„Früher war alles besser…!“ Wirklich? Wer hatte ‚früher‘ einen Personal Computer, einen Laptop und einen digitalen Fernseher zu Hause? Und ein mal größeres, mal kleineres Smartphone? In den meisten Fällen mittlerweile ein Smartphone pro Haushaltsmitglied!

Wieviele Menschen konnten sich früher zahllose Eier kaufen und essen, wann immer sie wollten? Wer konnte sich eigentlich Fleisch leisten?

Wieviele Menschen konnten eine höhere Schulbildung genießen? Und studieren?

Wir können fast jederzeit überall hin ‚gondeln‘ – mit Bussen und Bahnen. Selten war unsere Umwelt so sicher wie heute.

Wir jammern auf hohem Niveau, weil wir – vielleicht mehr Nachrichten gucken, als Dokumentationen ansehen. Oder Statistiken finden, die verlässlich, weil unabhängig sind.
„Drama und Galama“ sind halt unterhaltsamer, oft; vor allem, wenn wir nicht selbst betroffen sind.

Auch im GEO-Magazin findet sich ein guter Artikel dazu, mit der Kernaussage: „Pessimismus ist ein Privileg für Reiche“.

Wir drehen am Knauf und die Heizung wird warm. Wir chatten mal eben mit Singapur oder Australien.

Wir lernen online und tanzen oder singen im Verein; sind uns der Wichtigkeit gesunder Ernährung bewusster, als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Auch dies ist richtig: Es ist nicht alles wunderbar. Manches bedarf der Verbesserungen.

Aber, wie im GEO-Newsletter ausgedrückt, vor ein paar Tagen, der Hinweis auf den oben verlinkten Artikel:

„Die extreme Armut hat sich weltweit seit dem Jahr 2000 fast halbiert, die Lebenserwartung in Europa hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten verdoppelt, und statistisch war die Wahrscheinlichkeit, durch eine Gewalttat ums Leben zu kommen, selten so niedrig wie heute.

Für mich kohlestaubgeschädigtes Ruhrpott-Kind interessant: Über 90 Prozent aller neuen Kraftwerke auf der Welt arbeiten mit Wind, Wasser, Sonne oder sonst wie nachhaltig. Und in London, einer notorisch grauen europäischen Metropole, ist die Luft so sauber wie seit gut 200 Jahren nicht.

[…]

Steffens plädiert dafür, dem Fatalismus nicht das Feld zu überlassen: „Pessimismus ist ein Privileg für Reiche, für die guten Zeiten“, schreibt er. „Nur wer hat, kann fürchten zu verlieren. Pessimismus mag nützlich sein, um frühzeitig zu warnen. Aber wenn es darauf ankommt, ist er gefährlich. Weil er lähmt und radikalisiert.“

Auch Optimisten glauben nicht, dass alles gut wird. Sie sind allerdings überzeugt, dass etwas getan werden kann. Ein fundamentaler Unterschied.“

Deutschland als Wintermärchen war Heinrich Heines Text und zugleich Streitschrift und Liebesbrief an Deutschland.

Man kann sich zu Tode sparen… Geiz ist manchmal – einfach nur geizig.

Klug wirtschaften bedeutet, zu investieren. Und in guten und schweren Zeiten zusammen halten.

Gemeinsam sind wir stärker.

„Pick Your Battles“ – Sich Auseinandersetzungen aussuchen – Provokationen…

Streit, so sagt man, sei menschlich. Verbreitet. Unausweichlich. Das ist immer dann richtig, wenn Beteiligte das glauben. Dass man sich streiten müsse. Oder sich auf jeden Fall provozieren lassen; weil jemand anderer gerade Aufmerksamkeit braucht…

Das Konzept der „gewaltfreien Kommunikation“ ist eine schöne Idee davon, wie man (frau auch) das Leben mit Lösungen zubringt. Statt mit Problemen. Wahr ist auch, dass manche Menschen dazu neigen, sich ihr Leben durch ausgedachte Geschichten interessant zu machen.

„Die Ärzte“ haben dazu ein eher bissiges Lied gemacht, dass dieses Phänomen wunderbar auf den Punkt bringt.

In einem langen und teils sehr schweren Leben habe ich gelernt, dass Auseinandersetzungen viel Kraft kosten können. Die Art Kraft, die man nach heftigen Gefühlen vermisst, wenn man sich danach fühlt, „wie aus dem Wasser gezogen“.

Mit manchen Menschen ist eine Auseinandersetzung auch völlig überflüssig, weil sie wie die Sophisten im alten Griechenland sich durch ständige Themenwechsel jeder Art Argumentation entziehen.

Wahlweise werden sie ‚pampig‘. Oder beleidigend.

Ich freue mich immer über die weltoffenen, freundlichen und selbstständigen Menschen, die ihre Mitmenschen nicht zur Unterhaltung benötigen.

„Pick your battles“: Die englische Variante dazu. Sich aussuchen, mit wem man warum Streit anfängt. Oder eben nicht.

Die Feigenblatt-Methode: Hauptsache ‚Problem gelöst‘? – Die Scheinlösung für ein Nicht-Problem

Die heilige Familie auf der Flucht nach Bethlehem.
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Integration: Das bedeutet, ‚Besuch willkommen heißen‘. Sich annähern und voneinander lernen.

Es ist eine altbekannte Methode und sie wird immer wieder gerne genommen: Ein Schein-Problem aus der Schublade holen, es schön aus- und aufklopfen, in grellen Farben darstellen – und dann mit viel Trara eine Lösung präsentieren. Seit Jahrzehnten ist es das gleiche Bild: Immer, wenn es wirtschaftlich eng wird, Menschen in Scharen arbeitslos werden, wird nach ‚Schuldigen‘ gesucht.

Scheinbar unterfüttert von Statistiken, die keine sind, weil sie die Perspektive verzerren:

Was wäre unser Land damals gewesen, als Italiener und Türken zu Hunderttausenden zu uns kamen, um nach dem II. Weltkrieg beim Wiederaufbau zu helfen? Dringend benötigte Arbeitskräfte zu stellen?

Seit Jahrzehnten ebenso, sind die Geburtenraten rückläufig. Das heißt auch, dass uns nicht nur Fachkräfte fehlen. Auch das Rentensystem, das schon länger unterhöhlt wurde, weil alle ihre eigene Kasse haben…bricht fast zusammen.

Pflege: Was wären wir ohne Zuwanderer?

Aber auch: Was wären wir ohne die Bereicherung durch die Kultur derer, die zu uns kommen?

Einst waren sie scheinbar merkwürdig: Pizza, Nudeln und Kebap & Co. Heute sind sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber auch Tanz, neue Perspektiven und eine andere Art der Gemeinschaft können wir finden.

„Menschen sind keine Klappstühle.“ So hat es Reporter, Kabarettist und Journalist „Alfons Puschelmikro“ ausgedrückt.

Sind sie nicht. Wie würden wir uns fühlen, würde man uns zu ‚Klappstuhl-ähnlichen‘ Lebewesen degradieren? Wir würden uns schön beschweren!

Millionen sind es, die unser Land auch wirtschaftlich bereichern, weil sie Firmen gründen und Arbeitsplätze schaffen.

Darum sind die Statistiken falsch.

Die Themen werden uns aufgezwungen. Interessanterweise sind die Wahlergebnisse für rechtsextreme Parteien immer dort am höchsten, wo es keine Zuwanderer gibt. Wo also keine Bekanntheit hergestellt wurde. Allenfalls Konfrontation, weil urplötzlich in einer Landgemeinde Zuwanderer angesiedelt wurden. Ohne gute Unterkunft. Und ohne vernünftige Rücksprache.

Diese Dinge können eine Herausforderung sein. Dass sie versucht werden, ist schon ein Schritt. Aber zu glauben, Menschen könnten wie ‚Klappstühle‘ behandelt werden, ohne dass ihre Seele – oder unsere – Schaden nimmt, ist beinahe naiv.

Der Mensch ist mehr, als die Summe seiner Teile. Ein Land wird durch Zuwanderer bereichert. Das war schon immer so. Sich abschotten hieß, auch historisch und anthropologisch, kultureller Niedergang.

Lassen wir uns nicht zu Instrumenten derer machen, denen Macht und Geld alles bedeuten. Anstand und Menschenwürde nichts.

„Work-Life-Balance“ – Lebensphasen – Spannung und Entspannung

Eine Schildkröte, die eine Seifenblase auf ihrem Maul balanciert.
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„Das Leben ist lang und vielfältig.“ In meinem Leben ist das sehr wahr. Menschen gehen auch durch Phasen, so meine Beobachtung. Manches findet man abhängig vom kulturellen Hintergrund, manches ist lebensaltersbedingt; manches kommt vor, wenn Menschen schwere Zeiten erleben oder durch Krisen gehen.

Es kann also sein, dass Menschen in jüngeren Jahren Sehnsucht nach Aufregung oder Abenteuer haben.
Mit steigender Lebenserfahrung kann ein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit und Regelmäßigkeit, nach innerer und äußerer Ruhe eintreten.

Ich habe schon öfter in diesem Blog Erfahrungen geteilt. Wissen. Es ist tatsächlich so, dass ich persönlich schon so viele schwierige Situationen und Ausnahmesituationen erlebt habe, dass ich mir „Normalität“, „Selbstverständlichkeit“, „Alltag“ wünsche.

Mich rühren Tiere, Vögel oder auch Katzen, oder auch Kinder, die mir zufällig begegnen, manchmal zu Tränen. Aber auch Freundlichkeit, die unerwartet ist. Schöne Landschaften. Oder…

Ich habe durch Lektüre und Selbstbeobachtung, durch fast lebenslange Yogapraxis und die Kombination aus etablierter Medizin und Ayurveda auch den Ideen der TCM (traditionelle chinesische Medizin) viel über ein Gleichgewicht der Kräfte gelernt. Wie ich Gefühle und Gedanken (immer wieder) in Einklang bringen kann.

Was mir Inhalte bedeuten. Oder das Schreiben hier. TV-Quizzes. Alte Filme der leichten Art. Komiker. Solide Information durch Dokumentationen oder gute Lektüre. Politik und mich einmischen halte ich für wichtig.

Ich freue mich, wenn ich gute Menschen treffe. Denn das ist nicht selbstverständlich! Viele von uns wissen das, weil wir es manchmal schon früh lernen müssen: ‚Bullies‘, etwa. Solche, die andere Schulkinder piesacken.

Gleichgewicht. Ausgleich.

Ich wünsche meinen Lesern die Möglichkeit, ihr eigenes Gleichgewicht zu finden.

Das Lächeln der Sphinxen…

Heinrich Böll trifft Erich Kästner – Das Leben wie es ist

Straße mit Schildern die bunt und unbeschriftet in verschiedene Richtungen weisen.
Neue Wege gehen… (Image by Gerd Altmann from Pixabay)

Gib Alarm!

Gib Alarm
Sammle Deine Freunde
nicht
wenn die Hyänen heulen
nicht
wenn der Schakal Dich umkreist
oder
die Haushunde kläffen
nicht
wenn der Ochs unterm Joch
einen Fehltritt tut
oder der Muli am Göpel stolpert
Gib Alarm
Sammle deine Freunde
wenn die Karnickel die Zähne blecken
und ihren Blutdurst anmelden
Wenn die Spatzen Sturzflug üben
und zustoßen
Gib Alarm.

Heinrich Böll

Spaziergang nach einer Enttäuschung

Da hätte mich also wieder einmal
eine der hausschlachtenen Ohrfeigen ereilt,
die das eigens hierzu gegründete Schicksal
in beliebiger Windstärke und Zahl
an die Umstehenden gratis verteilt.

Na schön. Der Weg des Lebens ist wellig.
Man soll die Steigerungen nicht noch steigern.
Es war wieder mal eine Ohrfeige fällig.
Ich konnte die Annahme schlecht verweigern.

So ein Schlag ins vergnügte Gesicht
klingt für den, der ihn kriegt, natürlich sehr laut,
weil das Schicksal mit Liebe zur Sache zuhaut.
Tödlich sind diese Ohrfeigen hingegen nicht.
Der Mensch ist entsprechend gebaut.

Jedoch, wenn ich den See betrachte
und die schneeweiß bedeckten Berge daneben,
muß ich denken, was ich schon häufig dachte:
Diese Art Ohrfeigen brauchte es nicht zu geben.

Da rennt man nun die Natur entlang
und ist froh, daß man keinem begegnet.
Die Vögel verüben Chorgesang.
Die Sonne scheint im Überschwang.
Aber innen hat’s ziemlich geregnet.

Die Glockenblumen nicken verständig.
Eine Biene kratzt sich ernst hinterm Ohr.
Und der Wind und die Wellen spielen vierhändig
die Sonnenscheinsonate vor.

Das Schicksal wird mich noch öfter äffen
und schlagen, wie es mich heute schlug.
Vielleicht wird man wirklich durch Schaden klug?
Mich müssen noch viele Schläge treffen,
bevor mich der Schlag trifft! Und damit genug.

Erich Kästner (1899 – 1974)
aus Dr. Erich Kästners lyrische Hausapotheke,
Atrium Zürich, 1936

„Die Regentrude“ — Trockenheit extrem — vor mehr als 200 Jahren…

Bild eines Ölgemäldes mit kleinem Farmhaus, Sanddünen, einigen kleinen Bäumen in der Dämmerung
Jan van Goyen (1596–1656) Peasant House in the Sand Dunes — Bild lizenziert Wikimedia Commons

„Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern.

Es war an einem Vormittag. Die Dorfstraßen standen leer; wer nur konnte, war ins Innerste der Häuser geflüchtet; selbst die Dorfkläffer hatten sich verkrochen. Nur der dicke Wiesenbauer stand breitspurig in der Torfahrt seines stattlichen Hauses und rauchte im Schweiße seines Angesichts aus seinem großen Meerschaumkopfe. Dabei schaute er schmunzelnd einem mächtigen Fuder Heu entgegen, das eben von seinen Knechten in die Diele gefahren wurde. – Er hatte vor Jahren eine bedeutende Fläche sumpfigen Wiesenlandes um einen geringen Preis erworben, und die letzten dürren Jahre, welche auf den Feldern seiner Nachbarn das Gras versengten, hatten ihm die Scheuern mit duftendem Heu und den Kasten mit blanken Krontalern gefüllt.

So stand er auch jetzt und rechnete, was bei den immer steigenden Preisen der Überschuß der Ernte für ihn einbringen könne. »Sie kriegen alles nichts«, murmelte er, indem er die Augen mit der Hand beschattete und zwischen den Nachbarsgehöften hindurch in die flimmernde Ferne schaute; »es gibt gar keinen Regen mehr in der Welt.« Dann ging er an den Wagen, der eben abgeladen wurde; er zupfte eine Handvoll Heu heraus, führte es an seine breite Nase und lächelte so verschmitzt, als wenn er aus dem kräftigen Duft noch einige Krontaler mehr herausriechen könne.“
(Quelle: Projekt Gutenberg)

Das ist der Anfang der Geschichte von Theodor Storm. „Ist doch nur eine Geschichte“…?

Geschichten, die aus Sagen und Mythen der Völker entstehen, sind meist Teil der oft zunächst mündlichen Überlieferung. Viele Volksmärchen wurden erst seit Ende des 18. und im 19. Jahrhundert gesammelt und erstmals aufgeschrieben.

Wunderbare Geschichten, die aus dem Leben gegriffen, durch uralte ‚Verformungen‘ der Poetik dramatisch sind und doch den Kern der Wahrheit in sich tragen (können).

Storm hat bildhafte Sprache kunstvoll verwoben:

„Von dem Platze, wo sie sich befanden, auf einem breiten Steindamm, lief eine Allee von alten Weiden in die Ferne hinaus. Sie bedachten sich nicht lange, sondern gingen, als sei ihnen der Weg gewiesen, zwischen den Reihen der Bäume entlang. Wenn sie nach der einen oder andern Seite blickten, so sahen sie in ein ödes, unabsehbares Tiefland, das so von aller Art von Rinnen und Vertiefungen zerrissen war, als bestehe es nur aus einem endlosen Gewirre verlassener See- und Strombetten. Dies schien auch dadurch bestätigt zu werden, daß ein beklemmender Dunst, wie von vertrocknetem Schilf, die Luft erfüllte. Dabei lagerte zwischen den Schatten der einzeln stehenden Bäume eine solche Glut, daß es den beiden Wanderern war, als sähen sie kleine weiße Flammen über den staubigen Weg dahinfliegen. Andrees mußte an die Flocken aus dem Feuerbarte des Kobolds denken. Einmal war es ihm sogar, als sähe er zwei dunkle Augenringe in dem grellen Sonnenschein; dann wieder glaubte er deutlich neben sich das tolle Springen der kleinen Spindelbeine zu hören. Bald war es links, bald rechts an seiner Seite. Wenn er sich aber wandte, vermochte er nichts zu sehen; nur die glutheiße Luft zitterte flirrend und blendend vor seinen Augen. Ja, dachte er, indem er des Mädchens Hand erfaßte und beide mühsam vorwärts schritten, sauer machst du’s uns, aber recht behältst du heute nicht!

Weiter und weiter gingen sie, der eine nur auf das immer schwerere Atmen des andern hörend. Der einförmige Weg schien kein Ende zu nehmen; neben ihnen unaufhörlich die grauen, halb entblätterten Weiden, seitwärts hüben und drüben unter ihnen die unheimlich dunstende Niederung.“

Der ganze Text findet sich gemäß der geltenden Urheberrechtsgesetze auch online, im Projekt Gutenberg:  Theodor Storm, Die Regentrude

Storm zählt zu den Großen der deutschen Dichter. Wärmstens empfohlen. Es gibt auch Hörbücher.