„Aus Liebe zu Deutschland“ – oder: Wer sich bückt, kann die Arme nicht zum Umarmen ausstrecken

Dieses Interview zu seinem Buch habe ich vor einiger Zeit zufällig gefunden. Selten habe ich soviel Herz und Verstand in der Sicht auf Deutschland erlebt. Seit einigen Jahren hatte ich das Gefühl immer stärker empfunden, dass wir in Deutschland zur Schwarzmalerei neigen.

Wir sollten uns wieder daran erinnern, dass das Böse im Menschen überall auf der Welt vorkommt. Dass der Nationalsozialismus keine spezifisch deutsche Eigenart darstellte – oder darstellt.

Dass Machtkonstellationen und Geldinteressen dazu führen konnten, dass eine zwar starke aber nicht eine Mehrheitspartei an die Macht kam, durch Koalitionen(!) – und eine Diktatur errichtete.

Darum gilt es auch, uns daran zu erinnern, wie Toleranz und Weltoffenheit entstehen:

    • „Toleranz“, die Fähigkeit, das zu akzeptieren, das anders ist. Solange es nicht schädlich oder lebensfeindlich ist.
    • „Weltoffenheit“: In Selbstachtung aufrecht denen gegenüber zu treten und sie willkommen heißen können, die eine andere Sichtweise mitbringen.

Toleranz und Weltoffenheit: Hamed Abdel-Samad spricht über seine Ideen mit viel Herz und Verstand: „Aus Liebe zu Deutschland“

„Schnittstelle“: Wenn der Kuchen ein Gerät ist – oder: Berufe und ihre Standpunkte in der Sprache

Zeichnung zweier Menschen, sitzend, mit je einem Kopf und angedeutetem Gehirn um sich gezeichnet, wie eine Hülle.
Image by Gerd Altmann from Pixabay

„Juristendeutsch“ ist vielleicht die bekannteste unter den eigenen ‚Sprachen‘, die jedem sofort deutlich macht: Juristen sind anders, wenn sie sprechen und schreiben.

Das ist auch wichtig: Denn bestimmte Formen und Standards des schriftlichen (und mündlichen) Ausdrucks sind je nach Berufsgruppe entscheidend, um sich verständigen zu können.

Dazu kommt auch, dass oftmals die Professionalität des sprechenden/schreibenden Menschen in seiner Sparte jeweils danach beurteilt wird, ob er sich passend ausdrückt.

Das macht es aber gelegentlich zur Herausforderung, je nach Vorwissen und eigener Sichtweise, bestimmte Dinge genau zu erfassen.

Mein Paradebeispiel ist der Begriff „Schnittstelle“: In der Informatik bezeichnet er diverse Dinge, unter anderem kann das ein Gerät sein, das eine Verbindung herstellt. Eine Software. Oder etwas so scheinbar simples, wie ein bestimmter Kabeltyp.

Ich finde darum auch sehr wichtig, dass wir im Hinterkopf behalten: Menschen sind je nach Berufssparte und Biographie sowohl in Ausdrucksweise als auch ihrer spezifischen Art, zu begreifen, unterschiedlich.

Das hat deshalb so gut wie nichts mit Intelligenz zu tun! Sondern mit dem Unterschied der Sichtweise(n).

Das macht es spannend, ist eine Bereicherung – und braucht manchmal Geduld und Erfahrung, um sich zu verständigen.