Die AfD und die Zukunft: Wolken, Kuckuck – und kein Heim

Trockenes Weizenfeld im Sonnenschein, mi einigen Wolken am blauen Himmel und einem sehr fernen Horizont.
Image by Gianni Crestani from Pixabay

Wenn man sich anschaut, was im Programm der AfD alles nicht vorkommt, möchte man sich fragen, was eigentlich nach einer Regierungsübernahme passieren soll? Und wer soll das tun?

Die öffentlich-rechtlichen Sender für TV und Radio wollen sie ‚zusammen streichen‘? Weil sie Menschen nicht das rechte Bild vermitteln…? In der Tat, ‚rechts‘ ist das nicht. Erst recht nicht in den bedeutenden Sendungen der ARD und des ZDF.

Wir haben das Glück, einen Rundfunkstaatsvertrag zu besitzen, seit der Gründung der BRD. Seit dem Ende das Nationalsozialismus. Das bedeutet unter anderem auch, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von der Politik unabhängig sind. Deshalb gibt es einen von Steuern unabhängigen Rundfunkbeitrag. Man zahlte ihn schon immer, um die Unabhängigkeit zu gewährleisten. Von politischer Einflussnahme.

Die AfD gebärdet sich wie eine Art rettende Kraft, die als Alternative entstanden sei. Zu was, bitte?

Zur Demokratie? Zur freien Meinungsäußerung? Zur Vielfalt eines Landes und einer Kultur, die seit Jahrhunderten weiterentwickelt wurde und große Innovations- und Forschungskraft besitzt? Dabei Verantwortungsgefühl?

Was sie eigentlich wollen, bleibt im Dunkel, im Gewölk. Sie sind groß darin, gegen alles zu sein. Große Sprüche zu machen. Aber, viel Gedöns und nichts dahinter. Sich an alle diejenigen anbiedern, die auch nur mosern und nur noch glauben, der ‚freie‘ Mensch zeige sich im Dagegen-Sein.

Die AfD ist eigentlich peinlich, für Deutschland, das merkt man an den Reaktionen in der Auslandspresse.

Es wäre wünschenswert, dass wir uns erinnern, dass dieses Land mehr ist, als die Summe seiner Teile: Menschen und eine teils beeindruckende Geschichte.

Dazu braucht es keine Dummköpfe einer AfD, die im Grunde wohl ganz andere Pläne haben, als sie großspurig hinausposaunen, im Stammtisch-Stil: Sie haben international nachweislich rechtsextreme Kontakte und sie stehen Menschen und Parteien nahe, wie Trump und den Republikanern in den USA.

Diese Republik wurde das erste Mal ‚versucht‘, im 19. Jahrhundert. Lange vor einer Zweiteilung Deutschlands.

Einige der größten Philosophen der Geschichte und ebenso Dichter stammen von hier. Aus West- oder Ostdeutschland? Warum ist das wichtig?

Wirtschaftliche Krisen waren schon immer schwer. Aber die Rechtsextremen wie die AfD haben meistens nur die Lösung: Krieg. Das zeigt sich auch immer wieder. Ob Trump in den USA oder Putin in Russland.

Warum? Ist simpel: Waffen verkaufen. Bringt schnell Gewinn ein und schafft scheinbar schnell Arbeitsplätze. Aber diejenigen die daran gewinnen, ziehen nicht hin – in den Krieg.

Der Krieg kostet Menschen das Leben. Krieg verwüstet Städte und Länder.

Wer klug wählt, wählt die echte Freiheit: Die Freiheit in Verantwortung, in Gleichheit und Mit-Menschlichkeit. Und das ist nicht die AfD.

Modell der Frankfurter Altstadt nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs
Modell der Frankfurter Altstadt nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs – Historisches Museum Frankfurt am Main (Wikimedia Commons, Creative Commons Lizenz)
Der Einzug des Vorparlaments in die Paulskirche am 21. März 1848, Frankfurt am Main (Wikimedia Commons, Creative Commons Lizenz)

„Alternativlos?“ – Demokratie! – Der Tellerrand – Warum die AfD keine Alternative ist

Portraitphoto von jungem Menschen im Schatten, mit Apfel auf dem Kopf.
Bild lizenziert via Adobe CC

„Schimpfen ist prima.“ – „Dampf ablassen…“ Egal wo. Richtig? Dann ist die AfD keine Alternative. Sie erlauben ‚Schimpfen‘ nur, wenn es ihnen passt (Link zur Bundeszentrale für politische Bildung). Wer nicht ins Programm passt, darf auch keine Meinung haben.

Es scheint, manche Menschen glauben, wenn die Partei schon so heißt, dann ist sie vielleicht wirklich mal was Anderes… Anders wovon genau? Den Verspätungen der Bahn? Jobverluste durch KI, die gar nicht ursächlich in Deutschland entstanden ist? Eine Pandemie, die ihre Spuren hinterlassen hat? Globale Gegebenheiten, die durch Machtblöcke und auch und vor allem ‚Superreiche‘, Oligarchen, entstanden sind, wie Putin in Russland und seine Gefolgschaften – oder diejenigen Trumps in den USA?

Geschichtlich scheint sie im Osten der heutigen Bundesrepublik als ‚Alternative‘ aufgetreten zu sein. Wenn man sich allerdings ihre aktiven ‚Köpfe‘ so anschaut, ist die große Frage – für wen wirklich?

Kontakte zu Trump in den USA und Ultrarechten in Europa sind nachgewiesen.

Der Verfassungsschutz in Deutschland ist nicht als übermäßig avantgardistisch bekannt… ( ಠ‿<) war er noch nie. Auch er hat die Partei als rechtsextremistisch eingestuft. Offiziell.

Das bedeutet gerade nicht, dass sie ‚die kleinen Leute‘ nun besser hören würden. Oder, tatsächlich an der Macht, dafür sorgen, dass es denen besser geht, die es oft am schwersten haben.

Warum ist das keine Alternative?

Die AfD unterhält Kontakte zu all jenen, die es in Europa seit Jahren schwer machen: Denen, die zuerst an ihrem eigenen Kontoumfang interessiert sind.

Sie nutzen einfache, teils regelrecht verfälschende Sprüche und Aussagen, um ‚Sündenböcke‘ zu finden:
Ein altes Prinzip, man sucht sich etwas oder jemanden aus, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Und schon scheint man erleichtert.

Aber diejenigen Menschen ‚in die Wüste‘ zu schicken, die seit Jahrzehnten mitgeholfen haben, dieses Land so weit vorne zu halten, ist keine Lösung.

Ob in der Pflege, im produzierenden Gewerbe oder als Unternehmensgründer, die Jobs schaffen:  Sie sind Teil dieser Gesellschaft und tragen dazu bei, dass wir es besser haben, als in vielen anderen Teilen der Welt.

Es lohnt sich, wieder einmal darauf zu gucken, was andere alles vermissen… zumindest in Deutschland neigen wir sehr dazu, auf das zu starren, was nicht ist.

Es gibt Dinge, die sind sicher verbesserungswürdig. Die mittlerweile zum ‚running gag‘ gewordene Verspätung der Bahn gehört auch dazu.
Allerdings ist auch das etwas, das durch das ewige Gemeckere auf die Spitze getrieben wurde.
Wer immer nur sparen will, aber trotzdem die Sahnehäubchen der Technologie(n) absahnen – der macht eine Milchmädchenrechnung auf.

Wir sollten uns eines auch sehr klar machen: Wer immer nur meckert, spielt denen in die Hände, denen es nur um Macht und Geld geht.

Die AfD gehört dazu. Darum ist sie keine Alternative.


„Die Programmatik der AfD“, Bundeszentrale für politische Bildung

Wir können es…: „Eine Brücke zieht um – 4.000 Tonnen Stahl auf dem Weg durch Hamburg“, NDR, Nordreportage, zur neuen Sternbrücke in Hamburg

Das Sparen, die Politik und der politische Gegner: Manipulationen – oder: Von China und dem ‚Kaputtsparen‘

Bild von zwei Flamingos, die in einer Wolkenlandschaft zu schweben scheinen..
Image by Дмитрий Бирюков from Pixabay – „Wolkenkuckucksheim….“

„Schulden sind schlecht. Staatsschulden? Die für unsere Kinder. Das ist richtig schlecht.“ Sehr simple ‚Botschaften‘. Simpel? Genau. Zu simpel. Diese und ähnliche Formulierungen werden immer dann aus der Schublade geholt, wenn es darum geht, den politischem Gegner irgendwo zu packen, weil andere Argumente gerade fehlen.

Oder weil man es simpel mag, denn viele Menschen lassen sich immer noch viel zu leicht davon einwickeln.

Aber wir müssen unterscheiden, wofür Schulden gemacht werden, warum. Und was sie wirklich bedeuten.

Wer sich mit Finanzen und der Finanzwirtschaft und mit Betrieben und Betriebswirtschaft ein wenig auskennt, der weiß, dass Schulden, also Kredite, an den richtigen Stellen gang und gäbe sind. Sie dienen dazu, beispielsweise ‚vorzufinanzieren‘. Waren und Dienstleistungen herstellen zu können, weil die Rohstoffe eingekauft werden können, um sie anschließend gewinnbringend absetzen zu können.

Aber: Das ist die Wirtschaft.

Ein Staat – unser Staat – eine Staatswirtschaft funktioniert nicht nach den gleichen Regeln.

Überall gibt es schwarze Schafe, um das auch vorwegzunehmen. Wir wissen alle noch, wie die Finanzkrise 2008/2009 zustande kam: Banken und Finanzinstitute hatten Kredite umgewandelt, teils mehrfach in verschiedenen ‚Paketen‘ wiederverkauft und damit Termingeschäfte im großen Stil betrieben, dass man – als es öffentlich wurde – nur noch mit den Ohren schlackern konnte.

Wir wissen alle, dass Vertrauen gut, aber Kontrolle besser sein kann. Denn es gibt immer ein paar wenige, die sind entweder schwach. Oder regelrecht kriminell.

Aber Staatsschulden sind eine Investition in alle die Dinge, die unser Leben besser und zuverlässiger machen.

Wir sollten im Auge behalten, dass eine gute Infrastruktur und Rechtssicherheit die Grundlage für florierende Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sind.

Ob die Straßen, die Bahn (Personen- und Güterverkehr), Telekommunikation oder Müllabfuhr.

Ob Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeuten oder Pflegekräfte: Wir leben in diesen kleinen und größeren Orten zusammen und haben eine Demokratie seit geraumer Zeit. Manchmal müssen auch im Staat Dinge vorfinanziert werden, aber auf andere Weise.

Auch den Staatsbediensteten, Abgeordneten, Beamten, Angestellten muss man Kontrolle zukommen lassen. Aber sinnvoll.

„Schulden“ sind nicht das Problem. Sondern die falschen Prioritäten. Denn wer am falschen Ende spart, der öffnet der ‚Konkurrenz‘ Tür und Tor.  China: Eine alte Kulturtradition, Fleiß als Teil der staatstragenden Philosophie und einer gewissen Öffnung kapitalistischen Grundregeln gegenüber ist eine nicht zu unterschätzende Größe.

Wenn wir klug bleiben und uns nicht von manipulativen Sprüchen irre führen oder gar Angst machen lassen, werden wir es auch weiterhin sein: Eine nicht zu unterschätzende Größe.

Verbundenheit: „Liebe als Überwindung des Abgetrenntseins“ – oder: ‚Soziale‘ Medien – oder: IN Sein?

A group of people smiling and joining hands standing in a circle, all colours, ages and gender.
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Das ‚Gefühl des Abgetrenntseins‘ ist uns als Menschen manchmal nicht bewusst. Es kann sehr stark werden, wenn wir dem Kindesalter entwachsen. Im Laufe der Jahre entwickeln wir ‚Strategien‘, die uns das Leben wieder erleichtern. Sich einer oder mehrer Gruppen zugehörig fühlen, etwa. Turnverein, Kegelclub, Tanzgruppe, Jazz-Band, Chor oder Surf-Club, oder…

Gleichgesinnte finden. Sich zugehörig fühlen. ‚Richtig sein‘. Es ‚richtig machen‘. Je nach Umfeld ist richtig dann oft auch unausgesprochen anders definiert.

Dazu können in den digitalen Zeiten eben auch ‚Social Media‘, ’soziale‘ Medien gehören. Sie werden als ’sozial‘ bezeichnet, weil sie soziale Kontakte ermöglichen sollen. Zumindest soweit die offizielle und ursprüngliche Idee.

Es gibt Vorläufer, wie Chats und Foren, in denen online diskutiert wurde. Und wird.

Aber was heute als ’social media‘ bezeichnet wird, ist dazu da, den Betreibern Geld zu verschaffen. Daten und Ideen oder auch Vorlieben und Eigenheiten werden verkauft, geradezu gehandelt, um sie für Marketingzwecke nutzbar zu machen.

In manchen Fällen wurden und werden die persönlichen Daten nicht ausreichend geschützt.

Soziale Medien müssen bewusst und klug genutzt werden. Medienkompetenz zu lehren, ist einmal mehr wichtig.

Aber noch wichtiger scheint mir auch dies: Wenn wir uns zu sehr bemühen, ‚IN‘ zu sein, dazu zu gehören, verpassen wir die Chance, wir selbst und ein wenig anders zu sein. Denn erst die Vielfalt der ‚Gewürze‘ macht ein Gericht aromatisch.

Das Grundgesetz — „Freiheit“ gibt es hier nicht nur im Kopf — Perspektive ist der Schlüssel

Unsere Demokratie ist ein kostbares Gut: Wir können unsere Meinung frei äußern. Wir können uns frei bewegen, Religion ausüben und uns beruflich betätigen, wie es uns gefällt. Solange wir die Menschenrechte und damit andere der Gemeinschaft achten.
Und unser aller Rechte werden nicht nur deklariert sondern auch geschützt, durch eben dieses Grundgesetz.

Kabarettist Gery Seidl hat für Österreich diese Sichtweise wunderbar in klare Worte gefasst.

Wir können es so einfach sehen — oder komplexer aufdröseln, aber die oben genannten Rechte und noch einige mehr sind Grundrechte.

Darum lohnt es sich, für unser Grundgesetz und gegen Rechtsextremismus unsere Stimmen immer wieder zu erheben.

Für Demokratie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit = Mit-Menschlichkeit.

In Memoriam Margot Friedländer: Mit Menschenliebe gegen Rechtsextremismus

Photo von Margot Friedländer
Margot Friedländer bei einer Lesung des Anne Frank Tagebuches – (Wikimedia Commons, Scott-Hendryk Dillan)

Sie hatte sich versteckt während des Nationalsozialismus, wurde entdeckt, deportiert — und überlebte. Sie verlor ihre ganze Familie im Holocaust, der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945. Sie ging, um Deutschland für immer den Rücken zu kehren — und kam mit 88 Jahren zurück, um von ihren Erlebnissen zu erzählen.

Vielfach preisgekrönt, ist vielleicht der schönste Satz über sie, dass sie aus Menschenliebe kam. Um gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus Zeugnis abzulegen.

Sie starb mit 103 Jahren, unermüdlich bis kurz vor ihrem Tod. Sie hat viele beeindruckt und sie war ein Begriff für viele andere, die wieder kamen. Die verstanden, so wie Simon Wiesenthal, der sagte: „Damit das Böse gedeiht, braucht es nur gute Menschen, die nichts unternehmen”.

Es gibt Diktaturen auf der Welt heute, es gab sie in der Geschichte. Es sind nicht bestimmte Nationen, die das fördern. Es sind immer wieder die gleichen Ideen und die machthungrigen und geldgierigen Menschen, die alles dran setzen, genau das zu erlangen: Macht und Geld.

Margot Friedländer, ruhe in Frieden. Es gibt viele, die diese Arbeit fortsetzen.

Österreich, Politik und Habsburg: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Versuch einer Einordnung

(Bild freie Lizenz via ecosia.org, gefilterte Suche)

Österreich ist mehr als Sisi*, Donauwalzer oder Tafelspitz. Österreich und die Österreicher zu verstehen, kann von außen gesehen komplex sein. Denn Manches, das an der Oberfläche klar erscheint, ist bedeutend vielschichtiger, als es den Anschein hat.
Ich maße mir nicht an, das letzte Wort dazu sprechen zu können. Aktuelle politische Entwicklungen legen es mir dennoch nahe, eine Einschätzung zu versuchen.

Österreichs Geschichte wird entscheidend durch die Habsburger Monarchie geprägt. Als Deutsche möchte ich sorgfältig sein, denn spätestens seitdem nach dem ersten Weltkrieg die Monarchie zerfiel – genauso wie so viele andere – ist das Land überschaubar geworden. Das Verhältnis zu Deutschland eigen.

Es ist manchmal aus deutscher Sicht nicht sofort klar, was und warum an Österreich besonders anders ist, obwohl doch auch in den Alpen gelegen…auch Deutsch als gemeinsame Sprache nutzend…auch Gemeinsamkeiten vorhanden scheinen in mancher Art, das Leben und erst recht Arbeit zu betrachten.

Die Unterschiede werden deutlicher und dadurch manches Aktuelle etwas nachvollziehbarer, wenn man sich ansieht, wie Habsburgische Macht über Jahrhunderte ausgeübt und das Reich ausgedehnt wurde:

Durch Verhandlungen und Heiraten innerhalb der Fürstenhäuser.

Die Ausdehnung des Reiches war immens: Fast halb Europa gehörte dazu. Historische Landkarten können einen Eindruck davon vermitteln.

Unterschiedliche Völker und Stämme und Sprachen gehörten dazu.

Bis heute ist es selbstverständlich, dass es beispielsweise „echte Wiener“ fast nicht gibt: Erst die Mischung macht es. Das ineinander und miteinander Verschmelzen dieser Kulturen und Traditionen eines großen Reiches in ein weiteres Ganzes ist hier selbstverständlicher Teil der Geschichte.

Anpassung und Friedfertigkeit gehören dazu.

Wenn scharfe Töne notwendig werden, sind sie meistens in den Blumen der Worte verborgen.

Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten sind hier selten, prozentual betrachtet.

Friedliches Miteinander und das Ausgleichen von Konflikten, eine grundlegende Form wahren und dabei eher indirekt zum Ziel gelangen, ohne Gräben zu öffnen, ist wesentlicher Bestandteil des So-Seins.

Auf diesem Hintergrund wird verständlicher, was von außen beinahe einen Aufschrei hervorruft, der hier vielfach nur Kopfschütteln zur Folge hat:

Die Regierungsbildung durch die FPÖ, und die Stellung des Kanzlers durch diese Partei.

Die Wählerstimmen sind nach wie vor gering verteilt, in diese Richtung. Mehrheitsregeln der Demokratie schreiben die Regierungsbildung noch vor.

In Österreich selbst ist Politik ähnlich wie Alltagsleben und Arbeitsleben von Friedfertigkeit und sanftmütigem, hinter-den-Kulissen-Lösen geprägt.

Eine Partei, wie die FPÖ wird in diesem Zusammenhang als eine mögliche Ausprägung betrachtet. Nicht als Nachfolge der NSDAP.

Man geht davon aus, dass es viel Gerede gibt in der Politik, aber wenig „so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde“.

Ein anderes verbreitetes Wort bringt es auch sehr schön zum Ausdruck: „Schau’n wir mal, dann sehen wir schon.“

Im Gegensatz zu Deutschland ist Österreich das Land der Kompromisse. Wo man in Deutschland schwarz-weiß sieht, heftig diskutiert und ausschließlich eine Lösung anerkennen will – oftmals – wird in Österreich in Ruhe vertagt, ein Kaffee getrunken, nochmal besprochen – und dann ein Kompromiss gefunden.

Das erklärt auch die Politik, zum Teil, denke ich.

An Österreicher möchte ich gerne vermitteln: Die FPÖ gilt als die direkte Nachfolge der Nationalsozialisten. Darum ist es so unverständlich, aus dem Ausland betrachtet, eingedenk der Gräueltaten der Zeit des zweiten Weltkrieges – es ist aus dem Ausland schwer nachzuvollziehen, wie es passieren kann, dass diese Partei nicht nur an der Regierung beteiligt wird – sondern tatsächlich den Kanzler stellt.

Österreich ist ein wunderschönes Land, mit vielen klugen und gebildeten Menschen, die mehrheitlich nicht die FPÖ gewählt haben.

Die Komplexität bleibt. Sie kann nicht aufgelöst, sondern zunächst verstanden werden. Die österreichische Politik wird Wege finden.

Mit einem Präsidenten wie Alexander Van der Bellen eine hoffnungsvolle Angelegenheit!


*(die österr. Schreibweise)

Gefühle – Emotionen – Corona – Gefühle ‚Lernen‘

image of a friendly roaring lion and a smiling child embracing it
Gefühle und Emotionen sind in der Psychologie per definitionem nicht dasselbe.
Emotionen werden die 5 Grundempfindungen genannt, die in der Psychologie identifiziert wurden. Sie sind allen Menschen eigen und universal.

Gefühle sind detaillierter und vielschichtiger. Sie sind auch Forschungsgebiete der Sozialwissenschaft und der Anthropologie, bezogen auf Ausdruck und Merkmale in den jeweiligen Kulturen.

Der Umgang mit Gefühlen ist nicht immer einfach: Wir werden als Menschen früh, sehr früh, konditioniert und sozial geprägt. Das ist auch gut so, denn ohne die Prägung der Gesellschaft um uns würden wir an Leib und Seele quasi verkümmern und zu einem Fall werden, wie er in der deutschen Literatur durch den Fall Kaspar Hauser schon im 19. Jahrhundert bekannt wurde.

Geschlecht und Gefühle

Es bedeutet aber auch, dass abhängig von Geschlecht, Machtposition, Alter und Familienstand, sowie Rolle im Alltag bestimmte Gefühle zugelassen sind. Andere nicht.

Das klassische und einleuchtendste Beispiel ist der Unterschied darin, wie Männern und Frauen in westlichen Gesellschaften Wut ‚gestattet‘ ist:

Noch immer gilt die Prämisse, Frauen sollten lieb, anschmiegsam und gefühlvoll, vielleicht auch lächelnd und zugleich sanft und ’nährend‘ sein. Aber die wütende Frau wurde schon im Altertum und in der frühen Neuzeit oft als ‚Furie‘ oder ‚Drachen‘ verunglimpft.

Ein wütender Mann dagegen gilt meist als männlich, durchsetzungsstark und sehr respektabel.

Andersherum ist tragischer Weise Männern Angst als Gefühl nicht gestattet. Das heißt, auch wenn sie diese heftig empfinden, dürfen sie das meist nicht zeigen. In vielen  sozialen und gesellschaftlichen Gruppen werden sie sonst sofort mindestens zeitweise aus der Gruppe isoliert, um nicht zu sagen, ausgestoßen.

Gefühle im ‚Untergrund‘

Die Tatsache, dass Gefühle so stark unterdrückt werden, von Kindheit an, dass ein Mensch diese gar nicht mehr bewusst empfindet, hat Sigmund Freud als erster zu einem großen und anerkannten Teil der psychologischen Forschung gemacht.

Den Umgang mit solchen unterdrückten Gefühlen wieder oder neu zu lernen, könnte ein Schritt auf dem Weg zur Heilung bei Gewalt gegen Frauen sein. Denn Angst und Unsicherheit, die ein Mann gesellschaftlich nicht empfinden darf, obwohl er als Mensch diese auch immer wieder hat, naturgegeben, ist ein Teil der Tragödie von Gewalt gegen und Mord an Frauen.

Manipulation auf Seiten der Unterdrückten

Es sollte aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass es ein anderes klassisches Merkmal des unterdrückten Teils eines oder mehrerer Teile einer Gruppe oder Konstellation (Paar, Familie, Gruppe von Freunden, berufliche Zusammenhänge, u.ä.) ist, dass diese oftmals zu Mitteln der Manipulation verbaler und nonverbaler Art greifen. Das kann leider sehr perfide werden und wird in seiner Wirkung von außenstehenden, ungeschulten Menschen vielfach unterschätzt.

Fazit und Ausblick

Ein Blog-Eintrag wie dieser kann allenfalls einen kurzen Überblick und Eindruck verschaffen.
Er kann weder den Besuch beim Psychologen noch das vertraute Gespräch mit anderen Fachpersonen oder Freunden ersetzen!

Ich bin in der glücklichen Lage, als Frau und junges Mädchen von gebildeten und klugen Eltern erzogen worden zu sein. Sie haben mir nicht nur die ‚Relativität der Geschlechterrollen‘ schon früh nahe gebracht. Ich habe durch weitere Lektüre, Gespräche und Yoga, Jiu-Jitsu (eine Kunst der Selbstverteidigung) und intensive Weiterbildung einen produktiven Umgang mit teils sehr heftigen Gefühlen eines angeborenen, leidenschaftlichen Temperaments gelernt.
Konkret nutze ich beispielsweise bewusst Momente, in denen ich allein bin – oder mich allein wähne – um das zu tun was man landläufig ‚Dampf ablassen‘ nennt. Ob Fluchen oder laut Schimpfen, oder auf’s Kissen klopfen, all‘ das hilft mir, Wut oder gelegentliche Frustration zu kanalisieren.
Ähnlich bei Trauer oder Kummer und dazugehörigem Weinen: Ich kann sie herauslassen, ich habe sie in und mit mir kennen gelernt.
Ich kenne ihre körperlich spürbare Wucht – und ihr ‚Ende‘.

Dadurch kann ich auch immer wieder aus tiefem Herzen lachen!

Denn wenn die Kanäle für bestimmte Gefühle, wie Wut, Trauer oder Angst, verstopft sind, kann auch das Lachen nicht heraus. Oder nicht so gut.

Ein persisches Sprichwort drückt das etwa so aus:

„Wenn der Regen meines Kummers bis zum Saum meines Gewandes getropft ist, kann auch die Sonne wieder scheinen.“

Hamid Abdel-Samad – Aufklärung – Gedankenfreiheit – Klarheit

Ich bin als Christin aufgewachsen, im Geist der Aufklärung nach Kant und der deutschen Geistesgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht außerdem der Humanismus mit seinem Bildungs- und Erziehungsideal.

Dazu gehört auch die Idee, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Früh im Leben bin ich auf Fremdenfeindlichkeit aufmerksam geworden. Auf die zerstörerische Kraft, die zugrundeliegende Unsicherheit haben kann, wenn sie sich zur ‚Eigenbestärkung‘ als Ablehnung des ‚Anderen‘ zeigt.

Darum ist es mir immer wieder ein Anliegen, Klarheit der Gedanken und Verständigung anzustreben, die Selbstvertrauen und Erkenntnis fördern. Auch Hamed Abdel-Samad verfolgt dieses Ziel:
Offenheit in persönlicher Freiheit im Geist des Humanismus und der Aufklärung.

phoenix persönlich: Hamed Abdel-Samad zu Gast bei Alfred Schier

„Islam und Islamismus ist wie Alkohol und Alkoholismus: Es kommt auf die Dosis an.“ (Zitat Abdel-Samad)

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ (Immanuel Kant)

„Es gibt keine fremden Menschen. Es gibt nur Menschen, mit denen wir uns noch nicht unterhalten haben.“ (Großmutter Abdel-Samads)

Anmerkung / Randnotiz:
Es ist so wichtig, sich bewusst zu machen, dass die religiösen Schriften oder Bücher der Religionen dem Großteil einer Gemeinschaft / Gemeinde sehr selten genau genug bekannt sind. So können Einzelne, die evtl. auch vorgeben, sie zu kennen, sie einfach missbrauchen.

Wer die Bibel oder den Koran liest, oder die Thora, wird immer auch Stellen finden, die aus Sicht der heutigen, bürgerlichen Zivilgesellschaften erschreckend sind.
Ob die Ideen von Krieg oder Vergeltung, vor allem im alten Testament, etwa. Oder die Aussage in der Bibel, „die Frau schweige in der Gemeinde“…
Ideen zu Gehorsam oder Prügelstrafe. Und andere.

Es muss immer wieder klar sein und werden, dass Menschen zunächst keine „Masse“ sind, homogen und furchtbar.  Sondern dass es fehlgeleitete Menschen gibt, die nach Macht und / oder Geld gieren und deswegen zu wirklich allem bereit sind. Egal in welchem Teil der Welt.

Mir persönlich geht es nicht um eine Religion mehr als eine andere.
Sondern um Klarheit, Gerechtigkeit und den Weg zu mehr Frieden durch Verständigung und Verstehen.