Zeit ist Leben – Nimm Dir Zeit

Bild von einem Buch, einer Kaffeetasse und einem Strauß Pfingstrosen auf einem mit pinkfarbener Decke bedeckten Tish.
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Nimm dir Zeit …

    1. Nimm dir Zeit, um zu arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
    2. Nimm dir Zeit, um nachzudenken, es ist die Quelle der Kraft.
    3. Nimm dir Zeit, um zu spielen, es ist das Geheimnis der Jugend.
    4. Nimm dir Zeit, um zu lesen, es ist die Grundlage des Wissens.
    5. Nimm dir Zeit, um freundlich zu sein, es ist das Tor zum Glücklichsein.
    6. Nimm dir Zeit, um zu träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
    7. Nimm dir Zeit, um zu lieben, es ist die wahre Lebensfreude.
    8. Nimm dir Zeit, um froh zu sein, es ist die Musik der Seele.
    9. Nimm dir Zeit, um zu genießen, es ist die Belohnung deines Tuns.
    10. Nimm dir Zeit, um zu planen, dann hast du Zeit für die übrigen neun Dinge.

Irische Weisheit

(zitiert nach: Lothar Seiwert, Das 1×1 des Zeitmanagement, Verlag Gräfe und Unzer, 3. Auflage, 2019)

Schwarz und Weiß – Menschen und Meinungen – Das Leben wie es ist…

Ein Gemälde als Druck auf einem fertigen Puzzlespiel.
Image by Hans from Pixabay

Menschen sind entweder gut oder schlecht. Entweder Schwarz oder Weiß. Entweder fleißig oder faul. Entweder freundlich oder unfreundlich. Entweder verlässlich und respektvoll oder unzuverlässig und respektlos. Entweder  intelligent oder dumm. …

Das klingt so einfach. Schnell eingeordnet. Ohne großes Hin und  Her ein Ergebnis präsentiert. „Entscheidungsfreudigkeit“.
Das steht oft im Mittelpunkt. Aber es kann eben genauso Schwarz-Weiß angewendet werden, das Prinzip: Bloß schnell entschieden haben,  Hauptsache ‚entscheidungsfreudig‘ wirken…

Dabei ist es so offensichtlich, dass das Leben nicht Schwarz-Weiß ist: Wir leben mit vielen Farben rund um uns. Das sind nicht nur die Farben der eigenen Orientierung. Das ist viel mehr: Menschen sind Persönlichkeiten, die irgendwo aufgewachsen sind, geprägt und erzogen wurden, Schulen besucht haben oder eine andere Art der Ausbildung genossen haben. Eine Kultur und Sprache in sich aufgenommen haben. Mindestens eine. In vielen Fällen mehr.

In der jüdischen Tradition heißt es wohl, jeder Mensch sei ein kleines Universum.

Das bringt es sehr schön auf den Punkt: Menschen sind keine Verkehrsampeln: Entweder Rot oder Grün. Entweder Schwarz oder Weiß.

Menschen sind wie Kaleidoskope, vielseitig, bunt gemischt in ihren Ideen, Meinungen und in ihrer Tagesform.

Wer Menschen beurteilt, sollte sich klar machen: Situationen sind oft ungünstig für das Hervortreten der Persönlichkeit.

Vorschnelle Urteile können das Leben und die Kontakte unnötig erschweren.

Ein persisches Sprichwort lautet: „Wenn Du Geduld hast, kannst Du aus sauren Trauben Halva machen.“
Ein zentrales Prinzip: Geduld.


Anmerkung der Autorin: Voraussetzung ist natürlich, dass Urteile aufgrund von echten Tatsachen gebildet werden. Dass auch Maßstäbe klar sind und aufrichtig angewendet werden…
Aber spätestens, wenn wir die Pubertät erreichen, wissen wir von Menschen, die Lügen verbreiten. Um sich selbst besser darzustellen – oder schlicht, um die Wahrheit zu vertuschen. Gerade im Business-Bereich – und nicht nur dort – gibt es die unterschiedlichsten Motive dafür.

Wenn Wissen kombiniert wird… oder: Arbeitsprozesse – oder: Warum Zusammenarbeit förderlich ist

Bild von zwei Umrissen menschlicher Köpfe, einander zugewandt, die vor einem Bücherregal den jeweiligen Ausschnitt des Regals im Umriss zeigen.
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Wissen und Können sind nie gleich bei zwei verschiedenen Menschen. Egal, wieviel jemand gelernt, studiert oder erlebt und erfahren hat: Wir sind im Detail immer einzigartig in einem bestimmten Arbeitsumfeld. Wie unsere Fingerabdrücke.

Wenn Menschen hinzu kommen und ihre Expertise mitbringen, kann das Unruhe auslösen: Wird mir das schaden, weil ich weniger kompetent wirke?
Was muss ich vielleicht beachten? Was kann ich noch nicht, habe es übersehen oder sollte es gekonnt haben…?

Wenn Menschen nicht das Gleiche können und wissen, ist das förderlich!
Ideen zu kombinieren, Eindrücke und Erfahrungen austauschen, befruchtet!

Ob im Arbeitsleben oder privat: Austausch ist oft entscheidend für das Fortkommen, die Weiterentwicklung oder schlicht Innovation.

In der Anthropologie ist es Teil der Forschung: Wenn Kulturen sich abschotten, gegen andere, der Austausch versiegt, dann gehen Kulturen unter.
Ein besonders berühmtes Beispiel sind die alten, chinesischen Kulturen: Sie bauten eine Mauer, um sich zu schützen, gegen feindliche Angriffe.

Aber sie schotteten ihr Reich immer mehr ab, so dass es in den Jahrhunderten danach regelrecht zu einem Geheimwissen, einer mysteriösen Existenz im Bewusstsein der Völker wurde.
Was läge wohl dahinter…?

Die Zeiten änderten sich, aber die Kultur ging tatsächlich unter. Und sie ist eben nur ein Beispiel.

Mich selbst erkennen, mein Können und Wissen verstehen und darauf als Basis auf solidem Grund stehen, kann Ausgangspunkt sein.
Von dort aus können Hände gereicht und Ideen ausgetauscht werden.

Ohne Angst oder Sorge, selbst etwas Entscheidendes zu verlieren oder aufgeben zu müssen.

„Ich hab‘ schließlich auch eine Meinung“… oder: Meinungsbildung – oder: Menschen beurteilen

Bild des Hammers eines Richtertisches vor einem Stadtbild im Hintergrund.
Image by VBlock from Pixabay

„Richtet nicht, auf das Ihr nicht gerichtet werdet.“
„Was siehst Du das Streichholz in Deines Bruders Auge – aber den Balken im eigenen Auge siehst Du nicht?“

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ („Der kleine Prinz“, Antoine de Saint-Exupéry)

Motiv und Wirkung; ‚Sender‘ und ‚Empfänger‘ (in der Kommunikation).

Die Geschichte von dem Mann mit dem Hammer in Paul Watzlawicks populärwissenschaftlicher „Anleitung zum Unglücklichsein“. Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler, der Standardwerke geschrieben hat.

„Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede. Man soll sie billig hören beede.“ Ein uralter Rechtsgrundsatz, der offenbar an vielen öffentlichen Gebäuden seit dem Mittelalter eingraviert oder angebracht war. Lateinisch: „Audiatur et altera pars.“

Wo wir auch hinschauen, ob in die Bibel, Rechtstexte oder alte Traditionen unserer Region, eines bleibt eigentlich sehr deutlich:

    • Wer andere beurteilt, sollte sich vor Fehlurteilen schützen.
    • Sich klar sein oder werden, woher seine Urteile, seine ‚Beurteilungen‘ des Charakters oder der Taten eines anderen stammen.
    • Ob aus erster Hand, aus eigener Beobachtung; ob aus Berichten von mehr oder weniger verlässlichen Zeugen…
      • Sind Zeugen wirklich so verlässlich, wie sie scheinen?
      • Schon ein und dieselbe Situation, von 5 verschiedenen Menschen anzuhören, wird 5 verschiedene Berichte hervorbringen.
    • Welche eigenen Bedürfnisse und Wünsche und Erfahrungen und Ideen beeinflussen die Sicht auf den anderen?

„Richtet nicht, auf das Ihr nicht gerichtet werdet.“

Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Aber es kann tragische Fehlurteile verhindern helfen.

Menschen, Freundschaft, Liebe oder: Alleinsein als ein (Teil-)Weg

Ein kleiner Junge auf einem kleinen runden Planeten, vor dem Nachthimmel und Sternen.
Bild: Creative commons Lizenz: misiglo XX

Wir Menschen sind das, was man auch manchmal ‘Herdentiere’ nennt: Es gibt mehr als nur Hinweise darauf, dass Menschen andere Menschen brauchen: Zum Austausch, zum Trost, zur mitmenschlichen Nähe und Wärme, zu dem was im Persischen genannt wird: “dard-e del kardan”: Das Herz erleichtern.

“Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteilte Freude ist doppelte Freude.” Ein altes Sprichwort, das es auch sehr schön verdeutlicht.

Liebe ist vielleicht die stärkste Kraft, die uns geschenkt wurde, in all ihren Erscheinungsformen.

Sie ist das, was uns zusammenschweißt, in Freundschaft, Partnerschaft und Ehe.

Die dunkle Seite der menschlichen Natur sind Streit, ungebremste, an anderen ausgelebte Wut. Mord, Totschlag, Folter.

Es stellt sich aber auch heraus, dass es kein Schicksal ist, diese dunklen Seiten.

Ich bin durch schwere Zeiten gegangen. Aber mir sind die sehr schrecklichen Dinge erspart geblieben. Dieses Glück haben nicht alle Menschen.

Wenn wir Menschen uns mit denen zusammen finden, die Gesprächspartner sein können; Freunde, Partner und vielleicht sogar das, was man “Seelenverwandte” nennt, so stellt sich heraus, dass eine gewisse Übereinstimmung bei Erfahrungen und Wissenstand den Austausch, das Verstehen und Verständnis erleichtern.

Konkret kann es schmerzhaft sein, wenn man durch das simple Austauschen von Wissen bei manchen Menschen Irritation auslöst.

Darum neigen Menschen dazu, sich ihrer selbst in Charakter und Erfahrung ähnliche Weggefährten zu suchen.

Wenn nun aber wenige im Alltag Wissen und Erfahrung teilen können?

Dann ist ‚mensch‘ vielleicht auch öfter allein. Denn wer auch schon erlebt hat, was die falschen Freunde auslösen können, der ist sorgfältig in der Wahl enger Vertrauter.

Darum kann ein Teil des Lebens ohne Weggefährten verbracht werden müssen. Ohne enge Vertraute. Denn auch Menschen treffen, die vertraut werden können, braucht Gelegenheit(en).

In “Der kleine Prinz” hat Antoine de Saint-Exupéry es wunderbar so umschrieben, was Vertrautheit/Freundschaft bedeutet:

„Was bedeutet ,zähmenʻ?“
– „Du bist nicht von hier“, sagte der Fuchs, „was suchst du?“
– „Ich suche die Menschen“, sagte der kleine Prinz. „Was bedeutet ,zähmenʻ?“
– „Die Menschen“, sagte der Fuchs, „sie haben Gewehre und sie jagen. Das ist ungeheuer lästig! Sie züchten auch Hühner. Nur das interessiert sie. Suchst du Hühner?“
– „Nein“, sagte der kleine Prinz. Ich suche Freunde. Was bedeutet ,zähmenʻ?“
– „Das ist eine fast vergessene Sache“, sagte der Fuchs. Es bedeutet: ,sich vertraut machenʻ.“
– „Vertraut machen?“
– „Natürlich“, sagte der Fuchs. „Für mich bist du nur ein kleiner Junge, der aussieht wie tausend andere kleine Jungen. Und ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der aussieht wie hunderttausend andere Füchse.
Aber wenn du mich zähmst, brauchen wir einander. Du wirst für mich auf der ganzen Welt einmalig sein. Ich werde für dich auf der ganzen Welt einmalig sein …“
(Buchfunk Verlag, 2015, übersetzt von Romy Strassenburg)

Das Alleinsein des Titels sollte auf keinen Fall mit Einsamkeit verwechselt werden!

Erich Fromm hat in seiner wunderbaren „Die Kunst des Liebens“ Liebe als das Überwinden des Gefühls der ‚Abgetrenntheit‘ definiert. Ich denke, das trifft es wunderbar. Wer sich mit den Menschen und dem menschlichen Prinzip verbunden fühlt, der kann allein sein, ohne sich einsam fühlen zu müssen.

Erst recht in Zeiten des Internets, in denen es Gleichgesinnte geben kann, die an allen Ecken und Enden der Welt erreichbar sind.

Paulus hat es in seinem 1. Korintherbrief so ausgedrückt und er hat recht:

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

(1 Korinther, 13)

 

Schulen, eine Pandemie und Bildung in schweren Zeiten: Jetzt Mut – und Stehvermögen

Bild eines Apfels und einer Birne nebeneinander liegend
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PISA ist zu weit gegriffen. Sie versucht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Weltweit. Über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Vergleiche innerhalb Deutschlands sind da schon vielversprechender. Aber es ist immer auch wichtig, das Ganze zu sehen:
Eine Pandemie, die uns alle und Lehrer und Schüler, fast 5 Jahre hindurch eingeschränkt hat; während Angst und Schrecken verbreitet wurden. Schulen geschlossen – und für viele erstmals ‚Fernunterricht‘ an digitalen Geräten stattfand:
Das steckt keine Kultur so einfach weg.

Im Laufe eines bewegten Lebens unter internationalen Forschern an einer Exzellenzuniversität, an vielen Instituten naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Fachrichtungen tätig, zur Finanzierung meines eigenen Studiums, weiß ich aber auch:
Wir stehen trotz allem sehr gut da!
Gerade, weil wir gründlich sind, genau – und nicht zuerst auf Repräsentation und den schönen Schein konzentriert.

Sondern auf die Wahrheit, die echten Zahlen. Das kann auch schmerzhaft sein.

Aber, wenn die echten Probleme erkannt wurden, braucht es Investitionen, die auf dem Weg sein sollten – und Mut und Stehvermögen. Die Kraft, dran zu bleiben und mit Freude und positiven Bildern in die Zukunft zu schauen:

Dran bleiben – Pausen nicht vergessen!

Zwei Kinder vor einem Laptop, die sich sehr freuen, auf den Bildschirm schauend; Bildschirm ist vom Betrachter weggedreht
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Gewissen? – Krieg und Frieden – „Frau Stratmann: Gewissensprüfung…“

‚Else Stratmann‘, Metzgersgattin aus Wanne-Eickel im Ruhrgebiet…fiktiver Charakter der Autorin und Publizistin Elke Heidenreich ist einfach… scheinbar harmlos, aber eben scharfsinnig und witzig. Die Aufnahmen stammen aus den 1970er und 1980er Jahren.

Die Themen sind merkwürdig vertraut…

Dies ist der Ausschnitt aus dem Hörbuch bei Audible, via Random House:
Frau Stratmann

Schlichter kann man es kaum formulieren… ◕‿↼)

„Die Regentrude“ — Trockenheit extrem — vor mehr als 200 Jahren…

Bild eines Ölgemäldes mit kleinem Farmhaus, Sanddünen, einigen kleinen Bäumen in der Dämmerung
Jan van Goyen (1596–1656) Peasant House in the Sand Dunes — Bild lizenziert Wikimedia Commons

Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern.

Es war an einem Vormittag. Die Dorfstraßen standen leer; wer nur konnte, war ins Innerste der Häuser geflüchtet; selbst die Dorfkläffer hatten sich verkrochen. Nur der dicke Wiesenbauer stand breitspurig in der Torfahrt seines stattlichen Hauses und rauchte im Schweiße seines Angesichts aus seinem großen Meerschaumkopfe. Dabei schaute er schmunzelnd einem mächtigen Fuder Heu entgegen, das eben von seinen Knechten in die Diele gefahren wurde. – Er hatte vor Jahren eine bedeutende Fläche sumpfigen Wiesenlandes um einen geringen Preis erworben, und die letzten dürren Jahre, welche auf den Feldern seiner Nachbarn das Gras versengten, hatten ihm die Scheuern mit duftendem Heu und den Kasten mit blanken Krontalern gefüllt.

So stand er auch jetzt und rechnete, was bei den immer steigenden Preisen der Überschuß der Ernte für ihn einbringen könne. »Sie kriegen alles nichts«, murmelte er, indem er die Augen mit der Hand beschattete und zwischen den Nachbarsgehöften hindurch in die flimmernde Ferne schaute; »es gibt gar keinen Regen mehr in der Welt.« Dann ging er an den Wagen, der eben abgeladen wurde; er zupfte eine Handvoll Heu heraus, führte es an seine breite Nase und lächelte so verschmitzt, als wenn er aus dem kräftigen Duft noch einige Krontaler mehr herausriechen könne.
(Quelle: Projekt Gutenberg)

Das ist der Anfang der Geschichte von Theodor Storm. „Ist doch nur eine Geschichte“…?

Geschichten, die aus Sagen und Mythen der Völker entstehen, sind meist Teil der oft zunächst mündlichen Überlieferung. Viele Volksmärchen wurden erst seit Ende des 18. und im 19. Jahrhundert gesammelt und erstmals aufgeschrieben.

Wunderbare Geschichten, die aus dem Leben gegriffen, durch uralte ‚Verformungen‘ der Poetik dramatisch sind und doch den Kern der Wahrheit in sich tragen (können).

Storm hat bildhafte Sprache kunstvoll verwoben:

Von dem Platze, wo sie sich befanden, auf einem breiten Steindamm, lief eine Allee von alten Weiden in die Ferne hinaus. Sie bedachten sich nicht lange, sondern gingen, als sei ihnen der Weg gewiesen, zwischen den Reihen der Bäume entlang. Wenn sie nach der einen oder andern Seite blickten, so sahen sie in ein ödes, unabsehbares Tiefland, das so von aller Art von Rinnen und Vertiefungen zerrissen war, als bestehe es nur aus einem endlosen Gewirre verlassener See- und Strombetten. Dies schien auch dadurch bestätigt zu werden, daß ein beklemmender Dunst, wie von vertrocknetem Schilf, die Luft erfüllte. Dabei lagerte zwischen den Schatten der einzeln stehenden Bäume eine solche Glut, daß es den beiden Wanderern war, als sähen sie kleine weiße Flammen über den staubigen Weg dahinfliegen. Andrees mußte an die Flocken aus dem Feuerbarte des Kobolds denken. Einmal war es ihm sogar, als sähe er zwei dunkle Augenringe in dem grellen Sonnenschein; dann wieder glaubte er deutlich neben sich das tolle Springen der kleinen Spindelbeine zu hören. Bald war es links, bald rechts an seiner Seite. Wenn er sich aber wandte, vermochte er nichts zu sehen; nur die glutheiße Luft zitterte flirrend und blendend vor seinen Augen. Ja, dachte er, indem er des Mädchens Hand erfaßte und beide mühsam vorwärts schritten, sauer machst du’s uns, aber recht behältst du heute nicht!

Weiter und weiter gingen sie, der eine nur auf das immer schwerere Atmen des andern hörend. Der einförmige Weg schien kein Ende zu nehmen; neben ihnen unaufhörlich die grauen, halb entblätterten Weiden, seitwärts hüben und drüben unter ihnen die unheimlich dunstende Niederung.

Der ganze Text findet sich gemäß der geltenden Urheberrechtsgesetze auch online, im Projekt Gutenberg:  Theodor Storm, Die Regentrude

Storm zählt zu den Großen der deutschen Dichter. Wärmstens empfohlen. Es gibt auch Hörbücher.