Wohlstand, Reichtum, Selbstwertgefühl… Geld – oder: Leben

Collage von 4 Bildern, davon eines von dem Disney Charakter Dagobert Duck (Scrooge McDuck im Original)
Bilder: Lizenziert via Adobe CC, meine Anordnung – Zeichnung des Disney-Charakters Dagobert Duck: freie Lizenz via Ecosia.org, ©Disney

Es gibt verschiedene Sichtweisen auf das Thema: Den Lottogewinn, zum Beispiel. Einmal ein paar Kreuze – und ausgesorgt haben, für den Rest des Lebens. Es gibt auch solche, die wie im Song des Musicals „Anatevka“, „If I were a rich man“ sich nach Anerkennung sehnen. Nach der scheinbaren Bedeutung, die dem wohlhabenden oder reichen Menschen zukommt.

Es gibt Menschen, die werden zu Kriminellen, um Reichtum anzuhäufen, Geld zu mehren.

Manchen ist es nie genug. Sie sind womöglich schon so reich wie der antike König Krösus angeblich war. Aber weil das innere Gefühl der Erfüllung, des Selbstwertes, ausbleibt – häufen sie mehr und mehr an.

Man kann sehr ‚reich‘ sein – und trotzdem wenig oder überschaubare Mengen Geld besitzen.

Es gibt viel Ungerechtigkeit in der Welt, früher genauso wie heute.

Mir scheint manchmal, dass die Auflösung der Sowjetunion alle Zügel derer ‚zerrissen‘ hat, die sich in kapitalistischen Nationen noch unter einer Art Beweisdruck fühlten:
Der ‚Raubtierkapitalismus‘ vor allem in Ländern wie den USA, beinahe ohne kontrollierende Mächte, die Geldgier und Machtstreben einschränken würden, ist wieder da…

Noch ist nicht alles, was an demokratischem Fortschritt erreicht wurde, zunichte.
Der gegenwärtige Präsident der USA, Donald Trump, ein Beispiel übelster Sorte, in den USA verurteilter Krimineller, der an seiner Präsidentschaft so viel verdient, wie nie zuvor jemand in diesem Amt – der Kriege beginnt, um seiner und seiner ‚Hintermänner‘ (und -frauen) Gier nach Öl und damit mehr Profit zu befriedigen. (Links zu Artikeln der New York Times)

Es gibt eine Menge von Geschichten, Literatur, Märchen und tatsächliche Nachrichten über Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, mehr und mehr Geld anzuhäufen. Aber nie wirklich Freude oder Erfüllung empfinden.

Ich empfinde es als Glück, in einer Familie aufgewachsen zu sein, die weder besonders reich noch besonders arm war. Aber mit mehr Geschwistern, als der Durchschnitt, vorsichtig war. In Bezug auf Geld.

Mit klugen Eltern aufgewachsen, die uns lehrten, dass Glück oder Erfolg eher eine Frage der Sichtweise sind. Und das Geld eher ein notwendiges Übel ist; mit Vorsicht zu behandeln. Das zwar beruhigt. Aber nicht glücklich macht.

Mein Erwachsenenleben war zeitweise von schweren Phasen geprägt, als Studium, Arbeit und Kind parallel in meinem Leben Platz fanden.

Es gibt Dinge des Alltags, wie Urlaubsreisen oder Kleidung, ein schönes Zuhause oder Annehmlichkeiten, wie größere Ausflüge, die ohne Geld nicht möglich sind.
Auch ein Ruhestand mit sehr eng begrenzten Mitteln, wie er gerade auch Frauen leider noch zu oft beschieden ist, ist eine schwere Bürde.

Aber dennoch weiß ich eines so gewiss, wie kaum etwas Anderes:

Geld macht nicht glücklich. Echten inneren Frieden finden wir aufgrund inneren Reichtums, Selbstwertgefühl und Liebe – die wir geben, empfinden – und die wir erleben dürfen.

 

„Nachts sind alle Katzen grau“ – oder: Vertrauen und Zuversicht – oder: „Yes We Can“

Cat on front of a small puddle with a tiger's reflection showing, in the night before a street light
Image by Diego Edits from Pixabay

Manchmal gibt es Schwierigkeiten. Schwere Zeiten. Enge Terminplanungen. Regelrechte Rätsel des Alltags… sich Sorgen zu machen, ist menschlich. Aber es hat sich auch gezeigt, dass Perspektive ein entscheidender Faktor ist, bei der Lösung:

Wie schaue ich drauf? Mit Visionen von Weltuntergang, sicherem Fehlschlag – oder mit Mut?

Denn: Mut heißt nicht, keine Sorge zu haben. Oder auch gelegentlich Angst. Ein menschliches Gefühl, das (auch) universal ist.

Mut heißt, Sorge oder Angst zu empfinden und trotzdem zu tun, was nötig oder wichtig ist.

Und noch viel interessanter: Unsere Perspektive wird gefärbt von der Tages- (oder Nacht)zeit:
„Nachts sind alle Katzen grau.“
Gedanken und Gefühle werden von nächtlicher Dunkelheit gefärbt. Wenn man es zulässt.

Denn: Unsere Gedanken, unsere ‚Visionen‘, das bildhafte Erleben durch Worte, haben wir in der Hand.

Ich kann nicht beeinflussen, was mir passiert. Manchmal sind es Stürme, vielleicht. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Fluten. Oder eine Wirtschaftskrise.

Aber meine Haltung, meine Reaktion darauf, kann ich selbst bestimmen.

Dabei geht es nicht um Schönreden, sondern um Mut machen.

An all jene erinnern, die gut zu mir waren und sind. An all jene, die um mich sind und die tatsächlich helfen wollen.

An all die Fähigkeiten denken, die im Laufe eines Lebens hinzu kamen und gerade jetzt auch kommen.
Wissen: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Das nach außen signalisieren:
Vertrauen und Zuversicht.

Denn, Unkenrufe haben noch nie geholfen. Sie sind nur ein Geräusch.

YES, WE CAN.

EU, Finanzen und die Frage nach dem Niveau… oder: „Deutschland, ein Wintermärchen“

Oyster with a pink pearl inside
Image by Dee from Pixabay

Wir können natürlich immer verlangen: Alles soll immer billiger und zugleich immer besser werden. Aber, ist das realistisch? Ich denke, eigentlich ist manches simpler, als wir annehmen: Qualität und auch Quantität haben ihren Preis. Wenn ich Austern und Champagner schlürfen will – genügen ein ‚Appel und Ei‘ dafür nicht.

Aber, sind es wirklich Austern und Champagner, die wir wollen? Oder ist es eher so, dass es auch kostet, über viele Jahrzehnte gute Qualität zu erhalten?

Ob Bahnstrecken, gute Straßen, die dem Warenverkehr und dem Privatverkehr im wesentlichen freie Fahrt ermöglichen, oder gute Schulen, sie kosten Geld. Wer Kindern Bildung und unseren Städten und Dörfern – und Ländern – eine Infrastruktur gönnen will, muss manchmal tiefer in die Tasche greifen.

„Früher war alles besser…!“ Wirklich? Wer hatte ‚früher‘ einen Personal Computer, einen Laptop und einen digitalen Fernseher zu Hause? Und ein mal größeres, mal kleineres Smartphone? In den meisten Fällen mittlerweile ein Smartphone pro Haushaltsmitglied!

Wieviele Menschen konnten sich früher zahllose Eier kaufen und essen, wann immer sie wollten? Wer konnte sich eigentlich Fleisch leisten?

Wieviele Menschen konnten eine höhere Schulbildung genießen? Und studieren?

Wir können fast jederzeit überall hin ‚gondeln‘ – mit Bussen und Bahnen. Selten war unsere Umwelt so sicher wie heute.

Wir jammern auf hohem Niveau, weil wir – vielleicht mehr Nachrichten gucken, als Dokumentationen ansehen. Oder Statistiken finden, die verlässlich, weil unabhängig sind.
„Drama und Galama“ sind halt unterhaltsamer, oft; vor allem, wenn wir nicht selbst betroffen sind.

Auch im GEO-Magazin findet sich ein guter Artikel dazu, mit der Kernaussage: „Pessimismus ist ein Privileg für Reiche“.

Wir drehen am Knauf und die Heizung wird warm. Wir chatten mal eben mit Singapur oder Australien.

Wir lernen online und tanzen oder singen im Verein; sind uns der Wichtigkeit gesunder Ernährung bewusster, als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Auch dies ist richtig: Es ist nicht alles wunderbar. Manches bedarf der Verbesserungen.

Aber, wie im GEO-Newsletter ausgedrückt, vor ein paar Tagen, der Hinweis auf den oben verlinkten Artikel:

„Die extreme Armut hat sich weltweit seit dem Jahr 2000 fast halbiert, die Lebenserwartung in Europa hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten verdoppelt, und statistisch war die Wahrscheinlichkeit, durch eine Gewalttat ums Leben zu kommen, selten so niedrig wie heute.

Für mich kohlestaubgeschädigtes Ruhrpott-Kind interessant: Über 90 Prozent aller neuen Kraftwerke auf der Welt arbeiten mit Wind, Wasser, Sonne oder sonst wie nachhaltig. Und in London, einer notorisch grauen europäischen Metropole, ist die Luft so sauber wie seit gut 200 Jahren nicht.

[…]

Steffens plädiert dafür, dem Fatalismus nicht das Feld zu überlassen: „Pessimismus ist ein Privileg für Reiche, für die guten Zeiten“, schreibt er. „Nur wer hat, kann fürchten zu verlieren. Pessimismus mag nützlich sein, um frühzeitig zu warnen. Aber wenn es darauf ankommt, ist er gefährlich. Weil er lähmt und radikalisiert.“

Auch Optimisten glauben nicht, dass alles gut wird. Sie sind allerdings überzeugt, dass etwas getan werden kann. Ein fundamentaler Unterschied.“

Deutschland als Wintermärchen war Heinrich Heines Text und zugleich Streitschrift und Liebesbrief an Deutschland.

Man kann sich zu Tode sparen… Geiz ist manchmal – einfach nur geizig.

Klug wirtschaften bedeutet, zu investieren. Und in guten und schweren Zeiten zusammen halten.

Gemeinsam sind wir stärker.

Wenn das Murmeltier täglich grüßt – oder: Was Erfahrung und Gewöhnung ausmachen

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist eine Komödie von 1993, mit sehr illustrem Cast: Regie Harold Ramis, Hauptdarsteller Bill Murray und Andie MacDowell. Der Film handelt von einem Mann, der wie in einer Art magischen Zirkels gefangen, denselben Tag immer und immer wieder erlebt.

Er merkt das erst nach einer gewissen Zeit. Zunächst scheint es ihm wie ein Geschenk. Dann wie ein Fluch. Schließlich lernt er, zu verstehen, was es bedeutet Mensch zu sein, statt eines angeberischen, egozentrischen ‚Hans Dampf in allen Gassen‘.

Faszinierend daran:  Als Zuschauer findet man eine Menge Menschen und Situationen darin, die einem irgendwie bekannt vorkommen.

Das Ende ist – happy. Aber auf eine Art, die bei Hollywood-Komödien mindestens unerwartet ist.

Ein manchmal leises, manchmal dröhnendes Vergnügen.

Wer noch nicht wusste, wie selbstverständlich der Alltag werden kann – und warum wir vielleicht manchmal nicht mehr darüber sprechen, vor lauter Gewöhnung – der findet hier die Antwort.

Die USA als Blaupause? – oder: Jäger und Sammler… und Adam Smith

Bild via RVBusiness, mit freundlicher Genehmigung durch Sendeanstalt NBC, Originalbericht

So oft wird hier in Europa, und auch und gerade in Deutschland, damit hausiert, wir sollten es doch mehr wie die USA machen; die seien so erfolgreich. Mit ihrem Wirtschaftssystem. Niedrige Steuern, dadurch hohe Erträge. Kaum Sozialabgaben… das Gesundheitssystem auch erst neuerdings auf soziale Füße gestellt; durch Barack Obama und seine Politik.

Allerdings vergessen viel zu viele, was die Kehrseite ist, dort: Immer mehr Menschen leben unter Brücken und in ihren Autos. Weil es keine Absicherung gibt, wenn der Job mal verloren ging. Wenn es dann keine Jobs gibt. Über längere Zeit. Weil die Wirtschaft gerade eine Flaute erlebt. Eine sog. ‚Baisse‘, wie das an der Börse so hübsch heißt…

Das System, dass in den USA immer noch viel zu oft propagiert wird, geht vor allem auf Adam Smith zurück. Er war Schotte und hat wohl die moderne Nationalökonomie mitbegründet. Aber er hat sich auch nachweislich geirrt: Denn er votierte dafür, Firmen, Unternehmen, völlig freie Hand zu lassen. Dann würde sich der Markt schon von selbst regulieren.

Es ist inzwischen erwiesen, dass er das nicht tut. Der Markt. Dass es staatliche Regularien braucht, um dem ‚Raubtierkapitalismus‘ Riegel vorzuschieben.

Es gibt immer auch wohlmeinende Unternehmer, die auch erfolgreich sind, im Sinne von eingefahrenen Profiten. Aber es gibt überall, in jeder Branche und auf allen Ebenen, schwarze Schafe. Ob bei Banken, Versicherungen, in Aufsichtsräten oder in der Verwaltung.

Und dann gibt es die vielen Anderen: Denen nicht egal ist, wie es der Gemeinschaft geht.

Wir dürfen und sollten, mit einem auch nur kleinen Interesse an unserer Heimat und dieser Region, den klugen und realistischen Blick mit Liebe um uns schweifen lassen.
Uns daran erinnern, was vor Jahrhunderten war. Was jetzt ist.

Wie weit der Weg war. Und wieviel wir geschafft haben.

Dies ist ein wunderbares Land mit vielen großen Köpfen – früher und heute.

Lassen wir uns nicht ‚aus der Bahn werfen‘ – von Halbwahrheiten. Genau hinschauen.

Dran bleiben. Pausen nicht vergessen.

„Manche Menschen werden emotional – manche rauchen…“ – oder: Wie man mit Gefühlen umgehen kann

Photo einer dunkelroten Rose im Feuer
Bild lizenziert via Adobe CC (ohne KI erstellt)

„Südländer sind leidenschaftlich. Nordlichter sind kühl und beherrscht. Südländer sind emotional. Nordlichter rational.“ Diese Art Ideen, um nicht zu sagen Vorurteile, halten sich hartnäckig.  Ich hatte viel Glück im Laufe eines Lebens: Ich habe eine ganze Reihe Kulturen ‚von innen‘ kennen gelernt. Aber es waren auch oft schwere Zeiten.

Gefühle sind von mehreren Faktoren abhängig:

    • Davon, welche Art von Gefühlsäußerungen gesellschaftlich akzeptiert sind. Ärger, Wut, Trauer und Freude…
    • Von der natürlichen Grundkonstitution. Manche Menschen sind temperamentvoller als andere, von Natur aus.
    • Von der Lebenssituation: Wer harte Lebensbedingungen erlebt, aber noch nicht gelernt hat, damit umzugehen, reagiert auf Frustration anders, als jemand mit Erfahrung. Stichwort dazu ‚Resilienz‘.

Es gibt Kulturen auch außerhalb Europas, in denen sind heftige Gefühle kein Problem. Sondern selbstverständlich. Sogar im Gegenteil. Die ‚deutsche‘ Art der Selbstbeherrschung wird dort als ‚trocken‘ und unnahbar, sogar als kalt wahrgenommen.

Es gibt tatsächlich Kulturen, die auch im normalen Alltag eine andere Grundlautstärke beispielsweise bei Familientreffen pflegen.

Sigmund Freud war der erste, der beschrieben hat, was mit unterdrückten und gar unbewussten Gefühlen im Menschen geschieht. Psychologie:
Es bedeutet die „Lehre von der Seele“, nach dem Altgriechischen für ‚psyché‘ = Seele und ‚logos/legein‘ = Rede(n)/lehren.

Die neuere Psychosomatik und in dem Zusammenhang auch ein Schüler Freuds, Alexander Lowen, beschäftigen sich intensiv mit dem Zusammenhang von Seele und Körper.

Wieviel Spannung etwa im Körper durch beherrschte, unterdrückte Gefühle entstehen kann und dann tatsächlich zu Schmerzen führt.

Das Thema ist nicht trivial und kann hier auf keinen Fall erschöpfend behandelt werden!

Aber unsere Gefühle sind unser größter Schatz: Wir fühlen uns lebendig, dadurch.

Und wie Daniel Goleman in seinem populärwissenschaftlichen Werk „EQ“ ausgeführt hat:
Wenn wir unsere Gefühle besser kennen, erkennen wir andere und das Leben leichter. Und wir werden auf ganz andere, bessere Weise in die Lage versetzt, uns zu entscheiden.
Er führt aus, dass Menschen, die aufgrund von Operationen die entsprechenden Teile ihres Gehirns einbüßen mussten, alles verstanden, alles Wissen weiterhin besaßen, aber keine Emotionen. Sie wurden unfähig, sich zu entscheiden.

Ein persisches Sprichwort drückt es sehr schön und sehr klar etwa so aus: „Erst wenn die Regentropfen meiner Traurigkeit bis zum Saum meines Gewandes getropft sind, kann die Sonne wieder scheinen.“

Ich wünsche allen, die dies lesen, einen wundervollen, gefühlsreichen Tag!

Jura, Juristen und die Sprache: Alles ‚Bashen‘? Recht und Rechtsprechung in Deutschland

Collage aus modernem Büro mit einer
Bilder von Gordon Johnson und u_4ae2nmfhdb auf Pixabay

„Juristendeutsch“: Das ist ein recht alter Begriff für die Tatsache, dass Juristen oft ein Deutsch sprechen, das Nicht-Juristen fremd, um nicht zu sagen, unverständlich, erscheint.

Manchen Menschen ist das unangenehm. Weil sie sich vielleicht herabgesetzt fühlen. Als wären sie selbst ungebildet und könnten Deutsch nicht richtig.

Aber Tatsache ist auch: Jura und Gesetze und Rechtsprechung haben sich über Jahrhunderte weiter entwickelt. Das BGB, das bürgerliche Gesetzbuch Deutschlands, geht in seinem Kern auf das römische Recht zurück und das ist über 2000 Jahre alt.

Warum aber müssen denn Gesetzestexte so verschwiemelt, scheinbar, oder verklausuliert und fast wie mit X Knoten versehen daher kommen, so dass ein Durchschnittsbürger Mühe hat, sich einen Reim darauf zu machen?

Es liegt daran, dass Sprache nicht wie strenge mathematische Formeln funktioniert. Wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt, ist es oft sehr leicht, Sätzen und Ausdrücken zwei- und mehrdeutige Bedeutungen ‚anzudichten‘, ‚herauszulesen‘.

Aber das gerade sollte soweit es geht, in der Rechtsprechung, also vor Gericht, vermieden werden: Denn je unklarer und mehrdeutiger ein Gesetz formuliert ist, je mehr Auslegungsmöglichkeiten es zulässt, desto schwieriger und langwieriger wird die Urteilsfindung in Prozessen. Denn natürlich sind nicht nur Richter jahrelang geschult, also studieren Jura, werden dann an Gerichten in Prozessrecht geübt; auch Anwälte sind es.

Aber auch Gesetzestexte entwickeln sich. Schon vor mehr als 20 Jahren wurde im Bundestag darüber debattiert, und entschieden, wie und dass Gesetze verständlicher werden könnten und sollten.

Dennoch: Dieses Thema ist nicht trivial, und viele der Juristinnen und Juristen, die mit Leib und Seele dafür arbeiten, dass die deutsche Rechtsprechung gut ist, verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung. (Schwarze Schafe gibt es leider überall, ob da oder dort…)

Aber, wir leben in einem ‚Rechtsstaat‘; der Schwächen hat.

Es bedeutet, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Rechte und Pflichten einzuklagen. Ja, sogar die Pflichten: Würde ich in der Ausübung meines Amtes oder Berufes verhindert, wäre das je nach Fall … einklagbar.

Es bedeutet, dass wir auch die Politiker oder Behörden, die uns falsch behandeln oder ihre Arbeit nicht tun, zur Rechenschaft ziehen (lassen) können.

Das ist, weltweit betrachtet, nicht selbstverständlich.
Eine starke Errungenschaft der Demokratie, in der wir leben.

Hannah Arendt und „Die Banalität des Bösen“ – oder: Die Wahrheit hinter dem ‚Monster‘

Foto: Barbara Niggl Radloff, „Hannah Arendt auf dem 1. Kulturkritikerkongress“

Die Banalität des Bösen ist Hannah Arendts Schrift auf Grundlage ihrer Beobachtung des Prozesses gegen den Kriegsverbrecher  und Nationalsozialisten Adolf Eichmann in Jerusalem, 1961. Sie wurde und wird teils immer noch heftig diskutiert und Arendt wurde zeitlebens dafür kritisiert.

Ich selbst bin zwei Generationen jünger. Aber ich kann ihre Sichtweise voll unterstützen:
Auch noch zu meiner Jugendzeit gab es die generelle Idee von der ungeheuerlichen, unvorstellbaren Grässlichkeit der Nazis, der NSDAP, und insbesondere Adolf Hitlers als Vorsitzendem und Reichskanzler.

Grausamste Verbrechen wurden begangen und schienen beispiellos. Also wurden die Täter in die Ecke der ‚Monster‘ abgeschoben: Charakterlich deformierte, geradezu gestörte Wesen, die kaum etwas Menschliches an sich hätten.

Aber das entzieht sie nicht nur ihrer Schuld, weil sie beinahe als unzurechnungsfähig escheinen. Es lässt auch Ursachen und Muster im Dunkel, die durch genaue Analyse und echtes Hinschauen erkannt und künftig verhindert werden können.

Gerade die Art, wie Eichmann sich auf scheinbar völlig alltägliche Weise der Verantwortung zu entziehen versuchte, musste entlarvt werden als das, was es war: Der traditionelle, militärisch geprägte ‚Kadavergehorsam‘.

Niemand ist verantwortungslos, das ist der Kern der Erkenntnis aus diesen und ähnlichen Diktaturen und deren Gräueltaten, früher genauso wie heute.

Auch Hannah Arendt berief sich auf Kants kategorischen Imperativ: Er besagt, dass jeder Mensch zu jeder Zeit für seine oder ihre Taten volle Verantwortung trägt:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Zu Ende gedacht bedeutet es nicht eine Vorschrift, sondern einen Maßstab: Wenn alle es täten, wäre es dann auch in Ordnung?

Menschen sind gelegentlich krank und das kann festgestellt werden. Aber die heutigen Rechtsextremen genauso wie erklärte frühere und heutige Nazis waren weder Monster noch im engeren Sinne krank. Sie waren und sind macht- und geldgierig – und manipulieren jene, die womöglich einen Groll hegen oder Geltungsbedürfnis ausleben wollen.

Erst wenn wir solche Muster erkennen, können wir auch den folgenden Generationen deutlich machen, worum es geht:

Menschenwürde – und die Menschenrechte:

Die Grundfesten unserer Demokratie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit = Mit-Menschlichkeit

Das Sparen, die Politik und der politische Gegner: Manipulationen – oder: Von China und dem ‚Kaputtsparen‘

Bild von zwei Flamingos, die in einer Wolkenlandschaft zu schweben scheinen..
Image by Дмитрий Бирюков from Pixabay – „Wolkenkuckucksheim….“

„Schulden sind schlecht. Staatsschulden? Die für unsere Kinder. Das ist richtig schlecht.“ Sehr simple ‚Botschaften‘. Simpel? Genau. Zu simpel. Diese und ähnliche Formulierungen werden immer dann aus der Schublade geholt, wenn es darum geht, den politischem Gegner irgendwo zu packen, weil andere Argumente gerade fehlen.

Oder weil man es simpel mag, denn viele Menschen lassen sich immer noch viel zu leicht davon einwickeln.

Aber wir müssen unterscheiden, wofür Schulden gemacht werden, warum. Und was sie wirklich bedeuten.

Wer sich mit Finanzen und der Finanzwirtschaft und mit Betrieben und Betriebswirtschaft ein wenig auskennt, der weiß, dass Schulden, also Kredite, an den richtigen Stellen gang und gäbe sind. Sie dienen dazu, beispielsweise ‚vorzufinanzieren‘. Waren und Dienstleistungen herstellen zu können, weil die Rohstoffe eingekauft werden können, um sie anschließend gewinnbringend absetzen zu können.

Aber: Das ist die Wirtschaft.

Ein Staat – unser Staat – eine Staatswirtschaft funktioniert nicht nach den gleichen Regeln.

Überall gibt es schwarze Schafe, um das auch vorwegzunehmen. Wir wissen alle noch, wie die Finanzkrise 2008/2009 zustande kam: Banken und Finanzinstitute hatten Kredite umgewandelt, teils mehrfach in verschiedenen ‚Paketen‘ wiederverkauft und damit Termingeschäfte im großen Stil betrieben, dass man – als es öffentlich wurde – nur noch mit den Ohren schlackern konnte.

Wir wissen alle, dass Vertrauen gut, aber Kontrolle besser sein kann. Denn es gibt immer ein paar wenige, die sind entweder schwach. Oder regelrecht kriminell.

Aber Staatsschulden sind eine Investition in alle die Dinge, die unser Leben besser und zuverlässiger machen.

Wir sollten im Auge behalten, dass eine gute Infrastruktur und Rechtssicherheit die Grundlage für florierende Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sind.

Ob die Straßen, die Bahn (Personen- und Güterverkehr), Telekommunikation oder Müllabfuhr.

Ob Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeuten oder Pflegekräfte: Wir leben in diesen kleinen und größeren Orten zusammen und haben eine Demokratie seit geraumer Zeit. Manchmal müssen auch im Staat Dinge vorfinanziert werden, aber auf andere Weise.

Auch den Staatsbediensteten, Abgeordneten, Beamten, Angestellten muss man Kontrolle zukommen lassen. Aber sinnvoll.

„Schulden“ sind nicht das Problem. Sondern die falschen Prioritäten. Denn wer am falschen Ende spart, der öffnet der ‚Konkurrenz‘ Tür und Tor.  China: Eine alte Kulturtradition, Fleiß als Teil der staatstragenden Philosophie und einer gewissen Öffnung kapitalistischen Grundregeln gegenüber ist eine nicht zu unterschätzende Größe.

Wenn wir klug bleiben und uns nicht von manipulativen Sprüchen irre führen oder gar Angst machen lassen, werden wir es auch weiterhin sein: Eine nicht zu unterschätzende Größe.