Selbstachtung – Basis von Nächstenliebe und Freude

Zeichnung dreier mensclicher Porträts, mit unterschiedlicher Hautfarbe, Geschlecht - lächelnd.
Bild: freie Lizenz freepik.com (keine KI)

Selbstachtung ist wie ein Felsen. Selbstachtung hilft, die Dinge in Perspektive zu rücken.  Sie kann heilend wirken, weil sie der Seele, dem Fühlen und Denken, Kraft gibt. Sie kann zu mehr Frieden in der Welt führen, weil sie uns hilft, uns selbst freundlich zu behandeln und darum auch anderen freundlich zu begegnen.

Dies ist der wunderbare Text von Virginia Satir zum Thema:

Ich bin ich selbst.

Es gibt auf der ganzen Welt keinen, der mir vollkommen gleich ist. Es gibt Menschen die in manchem sind wie ich, aber niemand ist in allem wie ich. Deshalb ist alles, was von mir kommt, original mein; ich habe es gewählt. Alles, was Teil meines Selbst ist, gehört mir — mein Körper und alles, was er tut, mein Geist und meine Seele mit allen dazugehörigen Gedanken und Ideen, meine Augen und alle Bilder, die sie aufnehmen, meine Gefühle, gleich welcher Art: Ärger, Freude, Frustration, Liebe, Enttäuschung, Erregung; mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen, höflich, liebevoll oder barsch, richtig oder falsch, meine Stimme, laut oder sanft, und alles, was ich tue in Beziehung zu anderen und zu mir selbst.

Mir gehören meine Fantasien, meine Träume, meine Hoffnungen und meine Ängste. Mir gehören alle meine Siege und Erfolge, all mein Versagen und meine Fehler.

Weil alles, was zu mir gehört mein Besitz ist, kann ich mit allem zutiefst vertraut werden. Wenn ich das werde, kann ich mich liebhaben und kann mit allem, was zu mir gehört, freundlich umgehen. Und dann kann ich möglich machen, daß alle Teile meiner selbst zu meinem Besten zusammenarbeiten.

Ich weiß, daß es manches an mir gibt, was mich verwirrt, und manches, was mir gar nicht bewußt ist. Aber so lange ich liebevoll und freundlich mit mir selbst umgehe, kann ich mutig und voll Hoffnung darangehen, Wege durch die Wirrnis zu finden und Neues an mir selbst zu entdecken

Wie immer ich in einem Augenblick aussehe und mich anhöre, was ich sage und tue, das bin ich. Es ist original (authentisch) und zeigt, wo ich in diesem einen Augenblick stehe.

Wenn ich später überdenke, wie ich aussah und mich anhörte, was ich sagte und tat, und wie ich gedacht und gefühlt habe, werde ich vielleicht bei manchem feststellen, daß es nicht ganz paßte. Ich kann dann das aufgeben, was nicht passend ist, und behalten, was sich als passend erwies, und ich erfinde etwas Neues für das was ich aufgegeben habe.

Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, reden und handeln. Ich habe damit das Werkzeug, das mir hilft zu überlegen, anderen Menschen nahe zu sein, produktiv zu sein und die Welt mit ihren Menschen und Dingen um mich herum zu begreifen und zu ordnen.

Ich gehöre mir, und deshalb kann ich mich lenken und bestimmen. Ich bin Ich, und ich bin o. k.

(Virginia Satir, Selbstwert und Kommunikation, 7. Auflage, 1987)


Anmerkung: Eigene Inhalte wiederverwendet

Tag der Frauen – „24 h ohne Männer“ – Die Welt der Frauen | Frauen der Welt | Internationaler Frauentag

Ein Mann am Frauentag? Ja, denn es gibt auch Männer, die unsere Welt nicht nur als ihr Eigentum und die Machtposition der Männer  als selbstverständlich sehen. Und etwas in so klare Worte zu fassen, das Frauen so sehr beeinflusst und einschränkt, als Mann, für Männer, ist eine feine Sache.

Bodo Wartke ist einer von ihnen: An einem solchen Tag gibt es Aktionen, Aktivitäten und Protestmärsche, Demonstrationen und Postings.

Sie sind notwendig: Denn wir dürfen nicht nachlassen, um die Welt ein wenig ‚weiblicher‘, sicherer und für alle zu machen; nicht nur für Frauen. Nicht nur für Männer.

Maslows Pyramide – oder: Was Menschen brauchen – oder: Hoffnung und Widerstandsfähigkeit

Abbildung der Malsowschen Bedürfnispyramide
Bild: Freie Lizenz via Wikimedia Commons

Maslows Pyramide der menschlichen Bedürfnisse zeigt sie in der Anordnung von grundlegend unten zu den Bedürfnissen an der Spitze. Erst wenn grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden können, ist es möglich, sich um alles andere zu kümmern.

Es sind Stufen… und diese Stufen bauen aufeinander auf. Fundamentale Bedürfnisse müssen abgedeckt sein, sonst kann ‚mensch‘ sich nicht wirklich um die Erfüllung der weiter oben gelegenen kümmern.

Konkret: Wenn das Auskommen nicht gesichert ist, bleibt der Kopf nicht frei, um sich etwa um Beziehungen ausreichend bemühen zu können.

Vielen Menschen sind solche und andere Dinge nicht bewusst. Oder nur latent in einer Art zugrundeliegender Besorgnis.

Widerstandsfähigkeit den Unbilden des Lebens gegenüber entsteht durch Erfahrung. Durch das Miteinander von Menschen, die auch wissen, was es bedeutet, wenn es schwierig wird. Dass wir als Menschen aufeinander angewiesen sind.

Die tragischen Fälle derer, die alleingelassen werden, sind solche, die verzweifeln. Verzweiflung ist ein tragischer Zustand, denn er bedeutet, dass jemand die Hoffnung auf Leben aufgibt.

Es gibt genügend Hinweise in den guten Texten und menschlichem Wissen der Jahrtausende dazu, was ‚Gemeinschaft‘ bedeutet.

Aber auch solche, die deutlich machen, was Menschen, die ‚entmenschlicht‘ sind, zu tun imstande sind. Schillers Lied von der Glocke* wurde in früheren Jahrzehnten als Pflichtlektüre zum Auswendiglernen in Schulen gelehrt. Er ist  nicht umsonst einer der großen Dichter.

Der Glaube an das Gute im Menschen kann durchaus schwer sein; verloren gehen. Aber das Prinzip Hoffnung ist auch eines der ganz großen im menschlichen Leben.

Hoffnung gründet sich auch darauf, dass wir Menschen um uns haben, denen wir wichtig sind. Die uns unterstützen oder trösten, in schweren Zeiten.

Hoffnung.

Poto von einem Sprössling in trockener, aufgerissener Erde und leichem Regen darüber
Bild lizenziert via Adobe CC

*Auszug aus „Das Lied von der Glocke“

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
Der Feuerzunder still gehäuft,
Das Volk, zerreißend seine Kette,
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
Da zerret an der Glocken Strängen
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
Die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher,
Das werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein.

Friedrich Schiller, 1799

 

Asyl und Migration und Populismus: Kriminalisierung als Lösung…? Generalverdacht ist schädlich!

Drei Hände, die sich an der Oberfläche einer Wasserfläche umfassen, vor warm-freundlichem Licht des Sonnenuntergangs.
Image by Anja from Pixabay

Ursache und Wirkung: Der neuste Gesetzentwurf der Regierung ist leider nicht dazu angetan, Freude auszulösen. Oder Erleichterung.

Seit wann ist es eine Hilfe, wenn unbescholtene Menschen von vorneherein behandelt werden wie Kriminelle? Keine Bewegungsfreiheit, eingepfercht wie Straffällige.

Warum muss Populismus Gehör geschenkt werden? Wo bleibt die Stimme der Menschlichkeit und Vernunft?

Wenn Menschen in Mehrheit unter Generalverdacht gestellt werden, dient das einem Zweck: Es sollen ‚Stimmen gefangen‘ werden.

Seit nunmehr 35 Jahren wird das Thema ‚am Kochen‘ gehalten. Mangels anderer Sensationen?

Selbst wenn wir in Deutschland die historische Tatsache außer Acht lassen, dass hier ganz andere Formen von Generalverdacht genutzt wurden; wir haben aus Tradition der Rechtsstaatlichkeit und der philosophischen Aufklärung eine Aufgabe:

Der Welt zu zeigen, was Menschlichkeit und echte Hilfsbereitschaft bedeuten.

Wir leben in der reichsten Region der Welt. Millionen von Einwanderern haben über Jahrhunderte immer wieder zur Bereicherung und Fortentwicklung beigetragen.

Die Völkerwanderung des 4. bis 6. Jahrhunderts ist nur ein großes Ereignis dieser Art.

Die Zahlen der internationalen Organisationen, wie der UNO/UNHCR oder amnesty international belegen, dass gegenwärtig mehr Menschen auf der Flucht sind, als zur Zeit des zweiten Weltkriegs.

Die Berichte schon aus der Zeit des Nationalsozialismus über Menschen, die auf der Flucht starben, weil sie eingeholt wurden; weil sie nicht rechtzeitig Aufnahme fanden, sind Legion.

Asyl: In der christlichen Religion werden wir erzogen, uns zu erzürnen über die Familien, die der heiligen Familie Obdach verweigerten. Aber heute?

Wir dürfen uns nicht der Macht der falschen Worte beugen: Es gibt Ausnahmen, die Regeln bestätigen.

Menschen sind keine Klappstühle.

„Der Zweck heiligt die Mittel“ – oder: Das Ziel macht unfaire Aktionen Ok…?

Es gibt das alte Sprichwort vom Zweck, der die Mittel heiligt. Wie schon im Titel umschrieben, drückt das aus, dass ein gutes oder erstrebenswertes Ziel auch weniger angenehme oder unlautere Vorgehensweisen rechtfertigt.

Es kann dann im privaten oder beruflichen Umfeld dazu kommen, dass Menschen ihr eigenes, angenehmes Ziel für sinnvoll oder wichtig genug erachten, dass sie bereit sind, dafür zu schwindeln, oder gar zu lügen. Als Beschönigung werden dann Gründe zusammen gesucht, die oftmals recht fadenscheinig sein können.

Wir lernen, dass ‚Notlügen‘ gelegentlich ok seien, wenn sie einem guten Zweck dienten.

Die einfache Grundregel ist diese: Wenn wir anderen schaden, ist die Grenze erreicht.

Es gibt Regeln und Gesetze für das menschliche Zusammenleben, weil sie ein Rüstzeug sind, einen Rahmen bilden, der uns Orientierung geben kann.

Moderne Demokratien haben Rechtssysteme, die prinzipiell verlässlich sind. Das eigene Recht ist einklagbar und die Urteilsfindung soll unparteiisch erfolgen.

Ob privat oder beruflich, auch Gery Seidl bringt es sehr schön auf den Punkt: Verantwortung übernehmen – andere nicht behindern.

Freiheit ist nämlich auch die Freiheit der Anderen.

Verbundenheit: „Liebe als Überwindung des Abgetrenntseins“ – oder: ‚Soziale‘ Medien – oder: IN Sein?

A group of people smiling and joining hands standing in a circle, all colours, ages and gender.
Image licensed via Adobe CC

Das ‚Gefühl des Abgetrenntseins‘ ist uns als Menschen manchmal nicht bewusst. Es kann sehr stark werden, wenn wir dem Kindesalter entwachsen. Im Laufe der Jahre entwickeln wir ‚Strategien‘, die uns das Leben wieder erleichtern. Sich einer oder mehrer Gruppen zugehörig fühlen, etwa. Turnverein, Kegelclub, Tanzgruppe, Jazz-Band, Chor oder Surf-Club, oder…

Gleichgesinnte finden. Sich zugehörig fühlen. ‚Richtig sein‘. Es ‚richtig machen‘. Je nach Umfeld ist richtig dann oft auch unausgesprochen anders definiert.

Dazu können in den digitalen Zeiten eben auch ‚Social Media‘, ’soziale‘ Medien gehören. Sie werden als ’sozial‘ bezeichnet, weil sie soziale Kontakte ermöglichen sollen. Zumindest soweit die offizielle und ursprüngliche Idee.

Es gibt Vorläufer, wie Chats und Foren, in denen online diskutiert wurde. Und wird.

Aber was heute als ’social media‘ bezeichnet wird, ist dazu da, den Betreibern Geld zu verschaffen. Daten und Ideen oder auch Vorlieben und Eigenheiten werden verkauft, geradezu gehandelt, um sie für Marketingzwecke nutzbar zu machen.

In manchen Fällen wurden und werden die persönlichen Daten nicht ausreichend geschützt.

Soziale Medien müssen bewusst und klug genutzt werden. Medienkompetenz zu lehren, ist einmal mehr wichtig.

Aber noch wichtiger scheint mir auch dies: Wenn wir uns zu sehr bemühen, ‚IN‘ zu sein, dazu zu gehören, verpassen wir die Chance, wir selbst und ein wenig anders zu sein. Denn erst die Vielfalt der ‚Gewürze‘ macht ein Gericht aromatisch.

„Aus Liebe zu Deutschland“ – oder: Wer sich bückt, kann die Arme nicht zum Umarmen ausstrecken

Dieses Interview zu seinem Buch habe ich vor einiger Zeit zufällig gefunden. Selten habe ich soviel Herz und Verstand in der Sicht auf Deutschland erlebt. Seit einigen Jahren hatte ich das Gefühl immer stärker empfunden, dass wir in Deutschland zur Schwarzmalerei neigen.

Wir sollten uns wieder daran erinnern, dass das Böse im Menschen überall auf der Welt vorkommt. Dass der Nationalsozialismus keine spezifisch deutsche Eigenart darstellte – oder darstellt.

Dass Machtkonstellationen und Geldinteressen dazu führen konnten, dass eine zwar starke aber nicht eine Mehrheitspartei an die Macht kam, durch Koalitionen(!) – und eine Diktatur errichtete.

Darum gilt es auch, uns daran zu erinnern, wie Toleranz und Weltoffenheit entstehen:

    • „Toleranz“, die Fähigkeit, das zu akzeptieren, das anders ist. Solange es nicht schädlich oder lebensfeindlich ist.
    • „Weltoffenheit“: In Selbstachtung aufrecht denen gegenüber zu treten und sie willkommen heißen können, die eine andere Sichtweise mitbringen.

Toleranz und Weltoffenheit: Hamed Abdel-Samad spricht über seine Ideen mit viel Herz und Verstand: „Aus Liebe zu Deutschland“

Die menschliche Herausforderung: Toleranz – oder: Selbstachtung als Basis

Embleme der Religionen der Welt in einem goldenen Strahlekranz auf lauchtend blauem Grund, mit meschlichen Fiuren dazwischen, im Zentrum ein Globus.
Image by Gordon Johnson from Pixabay

Toleranz ist die Kunst, Dinge oder Sichtweisen, die man nicht mag, die abweichen, hinnehmen zu können. Als gleichberechtigt. Solange sie nicht schädlich oder lebensfeindlich sind.

Toleranz f. ‘Duldung, Duldsamkeit’ (Mitte 16. Jh.), später auch allgemein ‘Rücksichtnahme, Großzügigkeit, Aufgeschlossenheit’ und (ab 19. Jh.) ‘zulässige Abweichung vom Nennwert’, aus lat. tolerantia ‘Fähigkeit zu ertragen, Geduld, Duldsamkeit’.

Soweit das Wörterbuch (Wahrig + Duden: www.dwds.de).

Toleranz kann eine Herausforderung sein, weil sie erfordert, dass Menschen ihre eigene Sichtweise nicht absolut setzen. Sondern Alternativen, das Anderssein, zulassen können.
Das Andere kann aber die eigene Sichtweise infrage stellen.

Das ist nicht unbedingt ein Problem. Denn andere Sichtweisen können neue Eindrücke, neue Ideen oder neue Erkenntnisse ermöglichen.

Es wird dann zum Problem, wenn Menschen sich in ihrer Existenz, in ihrem ‚So-Sein‘ angezweifelt fühlen, weil sie ihre Sichtweise und ihre eigene Person gleichsetzen.

Wenn wir mehr Frieden und Gleichberechtigung in der Welt suchen, dann müssen wir das üben und lehren, wo es angemessen ist, in Schulen vielleicht, aber auch an anderen Bildungseinrichtungen und in Betrieben und Organisationen:

Was bedeutet Toleranz? Wo sind ihre Grenzen? Wie kann sie mich als Mensch bereichern, statt mir Angst zu machen?

Toleranz bedeutet, das Andere anders sein lassen können. Weil ich mich selbst kenne und gut leiden kann. Weil ich Selbstachtung gelernt habe.

Nur wer aufrecht steht, kann die Arme zum Umarmen ausstrecken.

Maslows Pyramide – oder: Menschen und Meinungen – oder: Hoffnung und Widerstandsfähigkeit

Abbildung der Malsowschen Bedürfnispyramide
Bild: Freie Lizenz via Wikimedia Commons

Maslows Pyramide der menschlichen Bedürfnisse zeigt sie in der Anordnung von grundlegend unten zu den Bedürfnissen an der Spitze. Erst wenn grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden können, ist es möglich, sich um alles andere zu kümmern.

Es sind Stufen… und diese Stufen bauen aufeinander auf. Fundamentale Bedürfnisse müssen abgedeckt sein, sonst kann ‚mensch‘ sich nicht wirklich um die Erfüllung der weiter oben gelegenen kümmern.

Konkret: Wenn das Auskommen nicht gesichert ist, bleibt der Kopf nicht frei, um sich etwa um Beziehungen ausreichend bemühen zu können.

Vielen Menschen sind solche und andere Dinge nicht bewusst. Oder nur latent in einer Art zugrundeliegender Besorgnis.

Widerstandsfähigkeit den Unbilden des Lebens gegenüber entsteht durch Erfahrung. Durch das Miteinander von Menschen, die auch wissen, was es bedeutet, wenn es schwierig wird. Dass wir als Menschen aufeinander angewiesen sind.

Die tragischen Fälle derer, die alleingelassen werden, sind solche, die verzweifeln. Verzweiflung ist ein tragischer Zustand, denn er bedeutet, dass jemand die Hoffnung auf Leben aufgibt.

Es gibt genügend Hinweise in den guten Texten und menschlichem Wissen der Jahrtausende dazu, was ‚Gemeinschaft‘ bedeutet.

Aber auch solche, die deutlich machen, was Menschen, die ‚entmenschlicht‘ sind, zu tun imstande sind. Schillers Lied von der Glocke* wurde in früheren Jahrzehnten als Pflichtlektüre zum Auswendiglernen in Schulen gelehrt. Er ist  nicht umsonst einer der großen Dichter.

Der Glaube an das Gute im Menschen kann durchaus schwer sein; verloren gehen. Aber das Prinzip Hoffnung ist auch eines der ganz großen im menschlichen Leben.

Hoffnung gründet sich auch darauf, dass wir Menschen um uns haben, denen wir wichtig sind. Die uns unterstützen oder trösten, in schweren Zeiten.

Hoffnung.

Poto von einem Sprössling in trockener, aufgerissener Erde und leichem Regen darüber
Bild lizenziert via Adobe CC

*Auszug aus „Das Lied von der Glocke“

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
Der Feuerzunder still gehäuft,
Das Volk, zerreißend seine Kette,
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
Da zerret an der Glocken Strängen
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
Die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher,
Das werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein.

Friedrich Schiller, 1799