Über Texte, Blogeinträge – und literarische Regeln

In Literatur und Literaturkritik ist und war es von Anbeginn ein Grundsatz – under anderen – dass Autor und Erzähler einer Geschichte oder eines Textes im weiteren Sinne nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Das bedeutet, wenn jemand über einen Sachverhalt schreibt, heißt das nicht, dass er oder sie ihn aus eigener Erfahrung kennt.

Viele meiner Leser werden dies bereits wissen, aber für alle, die sich nicht sicher sind – oder für die der Gedanke neu ist, dies als grundlegende Information zu meinen Texten.

Meine Texte beruhen größtenteils auf meinen Gedanken, meiner Lektüre zu Politik, Philosophie, Literatur und Kunst und Beobachtungen sowie Gesprächen. Etwas anderes anzunehmen wäre teils regelrecht abstoßend – aber zumindest vermessen.

 

 

Gewaltfreie Kommunikation – Gedicht

Worte sind Fenster (Oder sie sind Mauern)

Ich fühle mich so verurteilt von deinen Worten,
Ich fühle mich so abgewertet und weggeschickt,
Bevor ich gehe, muß ich noch wissen,
Hast du das wirklich so gemeint?
Bevor ich meine Selbstverteidigung errichte,
Bevor ich aus Verletzung und Angst heraus spreche,
Bevor ich diese Mauer aus Worten baue,
Sage mir, habe ich richtig gehört?
Worte sind Fenster oder sie sind Mauern,
Sie verurteilen uns oder sprechen uns frei.
Wenn ich spreche und wenn ich zuhöre,
Licht der Liebe, scheine durch mich hindurch.
Es gibt Dinge, die ich sagen muß,
Dinge, die mir so viel bedeuten.
Wenn sie durch meine Worte nicht klar werden,
Hilfst du mir, mich freizusprechen?
Wenn es so schien, als würde ich dich niedermachen,
Wenn du den Eindruck hattest, du wärst mir egal,
Versuch’ doch bitte, durch meine Worte hindurch zu hören
Bis zu den Gefühlen, die wir gemeinsam haben.
Ruth Bebermeyer

sereshks blog

Mein Blog ist wie „sereshk“, die Berberitzenbeere: Süß-sauer, rot leuchtend – und in der persischen Küche bei vielen Gerichten das kleine Etwas zum Abrunden eines Gerichts.
Ich befasse mich mit Politik und anderen Lieblingsthemen. Und wem’s gefällt, der darf mir das gerne mitteilen. Ich freue mich aber auch über konstruktive Kritik!
Ich bin Technische Redakteurin und leidenschaftliche Literatur- und Musikliebhaberin. Ich mag Philosophie, Kulturwissenschaften und Menschen. Technische Themen begeistern mich genauso, in allen Facetten. Außerdem koche und esse ich gerne, mag Filme – alt und neu, anspruchsvoll oder auch nicht…

Barberry fruit along river road
Berberitzenbeeren (Famartin, via Wikimedia Commons)

Flüchtlingskrise – und kein Ende?

Das Wort Flüchtlingskrise sollte zum Un-Wort erklärt werden: Kaum eines ist weniger geeignet, die tatsächlichen Schwierigkeiten und das Drama zu beschreiben, das wir beobachten oder erleben, in den jüngst vergangenen Jahren.

Wer ist hier in der Krise? Die Flüchtlinge? Wohl kaum.

Sie sind auf der Flucht!
Vor Krieg, Zerstörung, Folter, Leid – und Tod.
Vor Hunger, Durst, Entbehrung – und Tod.
Immer wieder sind die Zahlen der Vereinten Nationen erschreckend: Im beginnenden 21. Jahrhundert sind weltweit mehr Menschen auf der Flucht, als während des zweiten Weltkriegs.

Und nun die selbsternannten Moralapostel, die sich – geradezu im Gegensatz zur ursprünglichen Bedeutung des eigentlich verunglimpfenden Wortes – vorgenommen haben, ‚denen‘ beizubringen, wie ‚man‘ in Westeuropa Frauen respektiert:
Mithilfe großformatiger Poster, die sich windende, nackte Frauenkörper in Anonymität zeigen, denn ein Plastiktrichter verbirgt das Gesicht.
Respekt?
Seit Jahrhunderten gehen Frauen im ‚Westen‘ dafür auf die Straße, dass sie nicht zum Objekt degradiert würden. Aber gerade auch die ach-so aufgeklärte westliche Werbung nutzt so gut wie jede Variante des weiblichen Körpers in eher weniger Bekleidung, um Produkte zu verkaufen.
Respekt?
Die Frauenhäuser des ‚Westens‘ sind seit ihrer Erfindung immer brechend voll – mit Frauen und deren Kindern, die sich vor prügelnden Ehemännern/Partnern dorthin flüchten.
Respekt?
Die Kriminalstatistik ist auch ohne ‚Hilfe‘ von außen wohl versorgt mit Sexualverbrechen an Frauen.
Respekt?
Bordelle genauso wie grenznahe ‚Einrichtungen‘ für den Discounter-Freier geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil Frauen missbraucht und ausgebeutet werden. Zu Tausenden.
Respekt?

Wer andere lehren will, sollte wissen – und anwenden. Oder schlicht: Die Klappe halten.
Integration bedeutet, offen sein für das Neue. Menschen mit Fingerspitzengefühl die Begegnung ermöglichen, die Annäherung erleichtern.
Beiderseitige Berührungsängste abbauen durch KENNEN LERNEN!

Die moderne Technik, der PC und die Wut …

Seit einiger Zeit beobachte ich bei manchen Zeitgenossen und auch bei mir einen Effekt, den man vielleicht mit dem ‚Autofahrersyndrom‘ umschreiben könnte.
Es ist schon länger bekannt, dass Autofahrer dazu neigen, ungeduldig zu werden, andere Mitmenschen grundlos anzublaffen oder sich im Extremfall sogar zu prügeln.
Legion sind die Geschichten über Flüche, die im Auto ausgestoßen werden.

Nun kommt ein neues Phänomen daher: Die Aggression vor dem PC. Menschen sitzen vor den Bildschirmen, seufzen, stöhnen, fluchen – und es packt sie gelegentlich der Drang, das Gerät mit all seinen Einzelteilen aus dem Fenster zu werfen. Möglichst laut und mit vielen Scherben.

Ich vermute, diese beiden Phänomene speisen sich aus denselben Quellen:
Zum einen aus der Idee, es mit einer völlig steuerbaren und willfährigen Maschine zu tun zu haben, die alles auf Knopfdruck tut – und das schnell und ohne zu murren.
Zum anderen ist die Zeit als solche zu einem immer knapperen Gut geworden. Immer mehr muss in immer weniger Zeit geschafft werden. Gerade die Idee von Schnelligkeit des Maschinenzeitalters lässt uns vergessen, dass manche Dinge Zeit kosten – und dass das auch gut ist.
Denn Menschen brauchen Zeit: Sich an neue Umstände zu gewöhnen – ihre Gedanken zu entwickeln – oder einfach nur zu ’sein‘.

Es hilft, sich klar zu machen, dass Zeit genug vorhanden ist, indem man sich fragt: Was muss wirklich wirklich jetzt gleich oder heute noch passieren?
Vielleicht stellt sich dann heraus, dass die Liste der Aufgaben reduziert werden kann auf das Wesentliche – und die Zeit dehnt sich plötzlich, Ruhe kann einkehren.

Und dann kann man vielleicht sogar seinen PC kurz anlächeln…

Als Deutsche in Wien – Anfang oder: Die elegante Art, es nicht eilig zu haben

Vienna rooftops at dusk

Wien ist eine so oft besungene und von Legenden und Geschichten überzogene Stadt – Faszination muss also nicht erklärt werden?

Doch, es ist keine Selbstverständlichkeit – erst recht in unserem aufgeklärten Zeitalter – sich von Faszination ziehen zu lassen – und weg zu ziehen. Nach Wien.

Auch dies hat mich nach Wien gezogen: Die Atmosphäre, die vielleicht auch vom Klima mitbestimmt wird. Wenn das Wetter nicht gerade klirrend kalt ist, liegt eine Sanftheit in der Luft, die geradezu wie eine Liebkosung ist.
Der Wienerwald liegt bekanntlich um die Ecke; dort spürt man es deutlich und es wundert nicht mehr, dass hier der Walzer erfunden wurde. Mozart hat hier gewirkt, Strauß, Brahms, Schubert und noch viele andere.

Fast jeder, den man fragt, assoziiert mit Wien bedeutende geschichtliche Ereignisse oder künstlerische Besonderheiten. Nicht nur die Architektur der Prachtbauten ist beeindruckend… Sie prägt auch die älteren Stadtteile vor allem des Wiener Westens.
Es ist die Atmosphäre, die Wien aus anderen Großstädten der Welt herausragen lässt. Wien war und ist Weltstadt – aber es ist dieses gewisse Etwas, das man meistens mit Menschen verbindet: Die Ausstrahlung eines sanften und resistenten Stolzes. Auf die Geschichte – und die Kultur. Kultur ist in Wien geradezu allgegenwärtig. Man kann nicht durch diese Stadt gehen, ohne davon berührt zu werden.
Alte und bemerkenswerte Häuser, Paläste, Museen, Theater und Konzertsäle liegen auf Schritt und Tritt entweder am Weg oder um die nächste Ecke.

Der Österreicher als solcher ist charmant. Besonders der männliche. Nachdem sich hartnäckig das Gerücht hält, die Italiener hätten ihre berühmte Verführungskunst (Stichwort: Latin Lover) verloren, scheinen die Österreicher die neuen Italiener zu sein.
Ich arbeite in einer Softwareentwicklungsfirma und es gibt kaum eine charmantere und feurigere Sorte Mitmenschen, als die Entwickler. Das fällt mir hier besonders auf. Es gilt meiner Erfahrung nach auch für Deutschland. Aber hier scheint es noch eine Qualität von Lebenskunst zu geben; ein verschmitztes, bisweilen spitzbübisches Lächeln, dabei der kleine Wortwitz, die Pointe im Lächeln fast verborgen.

Doch was mich ganz besonders beeindruckt hat, ist die fehlende Hektik. Wiener und Wienerinnen haben es (meistens) einfach nicht eilig.
Man hastet nicht von Termin zu Termin, sondern begibt sich.
Besprechungen fangen auch `mal 10-15 min später an.
Und wenn man nicht ausnahmsweise einmal sprinten muss, einen bestimmten Zug noch zu erreichen – hat man Zeit!

Dieses kostbare Kulturgut – hier gilt sie noch.

Das ist es, was ich hier beinahe am meisten liebe: Die elegante Art, es nicht eilig zu haben.