
Thomas von Aquin ist ein großer Name. Große Philosophen und Gelehrte werden gerne als zu groß für den Alltag abgewunken. Aber Thomas von Aquin ist etwas zu eigen, das den Blick aushalten lohnt: Er ist genau, geht an die Wurzeln von Bedeutung und Glauben. „Was ist Gott?“ – „Was ist Wahrheit?“ – „Besitzt der Mensch freie Entscheidung?“
Und er ist dabei realistisch, menschlich, humorvoll und nicht die Spur ‚moralinsauer‘:
„Wer die Geschöpfe herabsetzt, der setzt die Macht des göttlichen Schöpfers herab.“ – „Wir müssen unseren Körper mit der gleichen Liebe lieben, mit der wir Gott lieben.“
Ohne seinen Körper, ohne seine Sinne sei der Mensch kein Mensch, stellt Thomas wiederholt klar, und gegen Schwermut empfiehlt er keine Gebete, sondern ausreichend Schlaf, gute Freunde und – vermutlich augenzwinkernd -:
„Wenn einer sich so sehr des Weines enthielte, dass er dadurch seine Gesundheit schwer belasten würde, so wäre er von Sünde nicht frei.“
(Quelle des Zitats: NDR Kultur Radio, Warum ausgerechnet Thomas von Aquin?)
‚Warum Religion?‘ – könnte man fragen, heutzutage mehr als damals: Wir leben in Zeiten, in denen schon aufgrund der Naturwissenschaften, aber auch der Idee des Positivismus, Zweifel an einer Existenz Gottes allgemein verbreitet sind.
Ein Gott, wie in den großen Religionen als Bild präsent, könnte tatsächlich eine sehr irdische Vorstellung sein.
Aus meiner Sicht hat Erich Fromm eine gute Erklärung gefunden: ‚Religion beantworte die Sehnsucht des Menschen nach Transzendenz.‘
Bei Shakespeare heißt es im Hamlet dazu: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als Deine Schulweisheit sich erträumt.“
Ich denke, sie haben beide recht: Es gibt da etwas, eine Schöpferkraft, die wir nicht ergründen können, etwas, das Leben ‚einhaucht‘ – die Unberechenbarkeit von Anfang und Ende – wie können wir das zu verstehen versuchen?
Thomas von Aquin hat das abendländische Denken über Jahrhunderte entscheidend geprägt. Ich denke auch, dass manche Anfänge der Aufklärung in seiner Art, sich den Wurzeln zuzuwenden, gesicherte Erkenntnis durch die Antworten auf die richtigen Fragen zu finden, spürbar werden.
Klarheit und Freude finden wir, wenn wir wieder lernen, dass Lebens- und Körperfeindlichkeit nicht die Lösung sind.
So, wie in älteren Medizinsystemen schon erkannt, etwa trad. chinesischer Medizin (TCM) oder Ayurveda. In neuerer Zeit auch in der etablierten Medizin durch die Psychosomatik (die ‚Lehre von Seele und Körper‘).
Thomas von Aquin hat das früh verstanden.
Wer das noch genauer wissen möchte, dem sei die oben bereits zitierte Sendung des Radiosenders NDR-Kultur als Podcast zu empfehlen, Manuskript zum Nachlesen inklusive:
Warum ausgerechnet Thomas von Aquin? Eine Wiederentdeckung, von Christian Feldmann (Theologe und Journalist)






